Kluftinger (André Stuchlick) und sein "Freund" Dr. Langhammer (Fridtjof Stolzenwald). Alle Fotos von Brigitte Waltl-Jensen.

Rauhnacht Bühnenfassung sprengt Rekorde und stößt auf geteiltes Echo


Liebe Leserinnen und Leser,

am 8. Oktober war es so weit: Die Theaterfassung des Buches Rauhnacht hatte in Memmingen Premiere. Auch wenn es ziemlich kritische Stimmen dazu gibt (siehe Zeitungskritiken unten und Reaktionen hier im Gästebuch) Der Kartenvorverkauf lief sensationell, wie diese Medlung von "Hitradio rt1" belegt:

Kluftinger-Krimi sprengt am LTS alle Rekorde

Die Welt-Uraufführung des Kriminalstücks „Rauhnacht“ sprengt am Landestheater Schwaben alle Rekorde. Alle regulären Vorstellungen am Memminger Stadttheater sind ausverkauft, jetzt hagelt es Zusatztermine. So einen Run auf Karten gab es noch nie.

Die Krimis der beiden Erfolgs-Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr waren schon als Bücher ein Renner. Jetzt geht die Erfolgsgeschichte um den Allgäuer Kult-Kommissar Kluftinger auch auf der Theaterbühne ungebrochen weiter.

Karten und Informationen im Internet unter www.landestheater-schwaben.de oder unter Telefon: 08331/9459-16

Anmerkung des Autorenduos

Da diese Frage nun schon öfter aufgetaucht ist und auch einige Beiträge dazu im Gästebuch stehen, möchten wir nur kurz klar stellen: Wir haben das Theaterstück zwar gesehen (ganz regulär bei einer Aufführung), waren aber weder in dessen Entstehungsprozess noch in die Proben oder sonst etwas involviert. Wen es genauer interessiert: Die Rechte für solche Weiterverwertungen unseres Stoffes liegen beim Verlag.

 

Kritik der Ausgburger Allgemeinen


Das Stück ist langweilig
Von Klaus−Peter Mayr
Memmingen
Es ist ein richtig großer Coup, den das Landestheater Schwaben in Memmingen zum Start in die neue Spielzeit gelandet hat. Es hätte auch ein  richtig gutes Theaterstück werden können.
Intendant Walter Weyers bringt den jüngsten der so erfolgreichen Kluftinger−Romane des Allgäuer Autorenduos Klüpfel/Kobr als Uraufführung auf die Bühne. Kein Wunder, denn „Rauhnacht“ eignet sich fürs Theater besonders gut, weil er an einem einzigen Ort spielt: in einem eingeschneiten Hotel  inmitten der Allgäuer Berge. Agatha Christies berühmter Detektiv Hercule Poirot lässt grüßen.

Der Chef selbst, den eigenen Worten nach begeistert von den Geschichten über den kultigen Kommissar, schrieb das Buch für die Bühne, machte seinen dienstältesten Schauspieler André Stuchlik zum Protagonisten und führte auch selbst Regie. Doch ausgerechnet bei diesem Ur−Allgäuer Stück scheint Walter Weyers, der in der Vergangenheit oft so stimmig und fesselnd inszenierte, kein gutes Händchen zu haben. Augenscheinlich hat der intellektuelle Stadtmensch keinen Zugang gefunden zu diesem volkstheaterhaften Stoff. Jedenfalls weiß Weyers nichts anzufangen mit dem gern als kauzig beschriebenen „Klufti“. Er lässt Stuchlik weder einen Kauz geben noch einen gewieften Grantler. Stattdessen stakst der Hauptdarsteller lediglich als griesgrämiger Eigenbrötler durch die (von Sabine Manteuffel bieder gestaltete) Hotel−Lounge – als ob ihn
der rätselhafte Mord an dem Bankdirektor Weiß nichts anginge. Immerhin: Man nimmt Stuchlik zumindest vom barocken Körperbau her den Kluftinger ab.
Völlig unbeachtet lässt Weyers, was die Romane trägt (und was das Millionenpublikum von Lesern so liebt): das spannungsgeladene Verhältnis zwischen Kluftinger und seinem Freund−Feind Langhammer. Klüpfel und
Kobr legten die beiden Figuren als klassischen Gegensatz an. Langhammer ist der Weltgewandte, der Souveräne – und auch der unerträglich arrogante Besserwisser. Was hätte diese Konstellation Köstliches für die Bühne hergegeben – egal ob als Drama oder als Komödie. Aber was tut Weyers? Er macht aus Langhammer den Hofnarren Kluftingers. Einen Kasperl, der klamaukhaft an des Kommissars Jackett herumzupft, sich bei Ärger irgendwo versteckt oder dumm aus der Wäsche guckt, wenn Kluftinger ihn
maßregelt. Fridtjof Stolzenwald spielt das alles gut (samt einer köstlichen Pantomime−Einlage). Aber warum muss er überhaupt so agieren?

Die Figuren sind entweder blass oder überzeichnet

Auch die anderen Beteiligten in diesem Krimi−Kammerspiel lässt Weyers entweder seltsam blass aussehen (Helwig Arenz als geschasster Bankdirektor) oder er überzeichnet sie auf groteske, fast unerträgliche Art (Jessica Wall als Journalistin, Katharina Puchner als giftige Witwe). Allein Theater−Senior Peter Höschler, der gerade 75 Jahre wurde, kann als alkoholsüchtiger Hoteldirektor überzeugen (er erhielt zu Recht den meisten Beifall). Und Anke Fonferek als Hoteldirektorin im adretten Dirndl? Sie entwickelt kein Profil – obwohl sich doch in ihrem Kopf und ihrem Herzen so viel Dramatisches abspielt, was sich in Gestik und Mimik niederschlagen müsste.
Der Roman „Rauhnacht“ ist als heitere Kriminalgeschichte angelegt. Weyers konnte sich dagegen nicht entscheiden, ob er einen Krimi, eine  Boulevardkomödie oder ein Psychodrama daraus machen wollte. So zündet nichts richtig, alles wirkt belanglos. Man wird weder ergriffen noch ist man amüsiert. Sagen wir es deutlich: Das Stück ist langweilig.
Das alles wird den Erfolg allerdings nicht bremsen. Schon jetzt sind zwölf Vorstellungen im Stadttheater Memmingen ausverkauft. An sage und schreibe 60 Gastspielorten im deutschsprachigen Raum wird Walter Weyers’ „Rauhnacht“ aufgeführt. Kein richtig gutes Theaterstück also. Aber ein richtig großer Coup.

Kritik der Schwäbischen Zeitung

Rauhnacht ist ein lauer Theaterabend

(ISNY/bac) Zu früh gefreut hat sich vermutlich manch ein Theaterbesucher am Samstagabend, als er sich gespannt auf die Inszenierung von „Rauhnacht“ ins Isnyer Kurhaus am Park begab. Kommissar Kluftingers fünfter und vom Landestheater Schwaben aus Memmingen erstmals für die Bühne inszenierter Fall landete nur wenige wirklich spritzige Treffer.


Kritik der Bayerischen Staatszeitung


Kühl statt schrullig
Landestheater Schwaben bringt „Rauhnacht“ auf die Bühne, trifft aber nur selten den für die Kluftinger-Bücher so typischen Humor
Von Freddy Schissler

Andre Stuchlik, Schauspieler am Landestheater Schwaben (LTS), hat sich vor der Premiere des Krimi-Bestsellers „Rauhnacht“ von Volker Klüpfel und Michael Kobr weit aus dem Fenster gelehnt. In die Rolle von Kluftinger, meinte er, könne er sich besser hineinversetzen als Herbert Knaupp, der den Kommissar in der Verfilmung „Erntedank“ verkörperte und dafür den Bayerischen Fernsehpreis erhielt. Um im Bild zu bleiben: Stuchlik ist aus dem  Fenster gefallen und hat sich ein paar blaue Flecken zugezogen.
In der Inszenierung des LTS sahen die Besucher einen hochdeutsch parlierenden, meist kühl kalkulierenden Kommissar, der nur selten Schrulligkeit und jenen mürrischen Grundton  vermittelte, der so typisch ist für einen Ur-Allgäuer, der lieber zum Gegenüber „Vergelt’s Gott“ sagt als „herzlichen Dank“.  
Gewiss, die Umsetzung eines populären Buches auf die Bühne ist ein schwieriges Unterfangen. Der Leser zeichnet sich ganz eigene Konturen der Protagonisten – und  ist dann nicht selten von der Umsetzung eines Regisseurs enttäuscht.
Schade aber, dass in der Inszenierung von Walter Weyers beinahe alle humoristischen Szenen des Romans, die unter anderem den Erfolg der Kluftinger-Bücher von Volker Klüpfel und Michael Kobr ausmachen, seinem Rotstift zum Opfer fielen: Die Autoszene zu Beginn der Geschichte ebenso wie die Silvester-Nacht, der Internet-Dialog zwischen Kluftinger und Kollege Maier oder der Lauschangriff der Kluftingers zu nächtlicher Stunde auf das Zimmer der Langhammers. Schade auch, dass das LTS bei der Premiere nicht alle Rollen mit professionellen Schauspielern zu besetzen vermochte. Zum Beispiel das Mordopfer.  
Geblieben ist ein an Höhepunkten eher armes kriminalistisches Kammerspiel in einer Hotelhalle hoch oben in den Bergen (geschmackvolles Bühnenbild: Sabine Manteuffel), in dem extrovertierte Hotelgäste ihrer Egozentrik freien Lauf lassen, Kommissar Kluftinger mit stoischer Ruhe zum Verhör bittet und geschickt kombiniert und allenfalls Dr. Langhammer (mitunter herrlich aufgekratzt: Fridtjof Stolzenwald) und Klaus Anwander  (super schrullig und ausdrucksstark: Peter Höschler) Humor verbreiten. 

TV Allgäu-Bericht über die Premiere



Interview mit Hauptdarsteller André Stuchlik


«Ich spüre viel von Kluftinger in mir»


Interview von Klaus-Peter Mayr erschienen im Kulturteil der Allgäuer Zeitung


Landestheater - André Stuchlik (53) wird in der Uraufführung von «Rauhnacht» den kauzigen Kommissar spielen - Im Interview gesteht er, dass er anfangs skeptisch war. Er sei wahnsinnig stolz darauf, den Kluftinger spielen zu dürfen. Das sagt André Stuchlik (53), der dienstälteste Schauspieler des Landestheaters Schwaben. Am kommenden Freitag, 8. Oktober, wird er bei der Uraufführung von «Rauhnacht» auf der Bühne des Memminger Stadttheaters agieren. Klaus-Peter Mayr sprach mit Stuchlik über dessen Verhältnis zu dem Allgäuer Kultkommissar, seinen Dialekt, die Proben und die Liebe zu Kässpatzen.


Herr Stuchlik, dürfen wir Sie künftig mit «Kommissar Kluftinger» ansprechen?

Stuchlik: (lacht, zögert) Auf der Bühne ja, im Privatleben nein. Aber es gibt tatsächlich schon Leute, die mir auf der Straße zurufen: «Hallo Klufti!»

Wie schwer wiegt die Bürde, diese Allgäuer Kultfigur darzustellen?

Stuchlik: Überhaupt nicht schwer. Weil ich mich ihm sehr nahe fühle. Ich spüre viel von Kluftinger in mir. Deshalb kann ich ihn auch aus mir heraus spielen. Vieles was er in den Büchern erlebt, kenne ich. Beispielsweise die Szene, als er Kaffee verschüttet und mit dem Strumpf aufwischt: Fast dasselbe ist mir bei einer Fete passiert. Ich habe Wein verschüttet, meine Socken ausgezogen und den Fleck damit aufgewischt. Der Typ erinnert mich an mich selbst.  

Inwiefern?

Stuchlik: Seine Menschlichkeit, seine Schwächen, sein Humor, seine Listigkeit. Und er hat Herz. Kluftinger besitzt Charaktereigenschaften, die mir nicht fremd sind.

Wieviel vom Buch-Kluftinger werden die Zuschauer auf der Bühne wiedererkennen?

Stuchlik: Wir wollen so nahe wie möglich am Buch und an den Typen bleiben.

Aber Sie sprechen doch gar keinen Allgäuer Dialekt.

Stuchlik: Brauche ich auch nicht, denn Walter Weyers hat das Stück auf Hochdeutsch geschrieben. Wenn man nämlich den Allgäuer Dialekt nicht richtig beherrscht, dann würde die Mundart aufgesetzt wirken. Ein paar Wörter und Sätze werden allerdings schon im Dialekt gesprochen, etwa: «»So a Schmarrn».

Ist dieser Kluftinger ein Kauz, ein Grantler, ein Trottel - oder ein ganz gewiefter Kopf, der nur so tut, als sei er ein bisschen schwer von Begriff?

Stuchlik: Ja, genau. Sie haben mit der Frage auch die Antwort gegeben. Kluftinger ist von allem etwas. Und vor allem ein gewiefter Kopf.

Mögen Sie Kässpatzen?

Stuchlik: Jaaaa!

Kochen Sie manchmal welche?

Stuchlik: Ich lasse mir welche kochen. Meine Freundin kann das super. Sie ist eine Allgäuerin, kommt aus Burgberg bei Sonthofen. Der Käse: ein Genuss! Die Zwiebeln: ein Genuss!

Dieses Interview ließen Sie verschieben, weil die Probe etwas länger dauerte. Ist das Unterfangen, Kluftinger auf die Bühne zu bringen, schwieger als anfangs erwartet?

Stuchlik: Nein. Endproben dauern sowieso immer etwas länger. Ich finde, Walter Weyers hat aus dem Roman ein ausgezeichnetes Bühnenwerk geschaffen. Ich war anfangs skeptisch, ob das klappt - das gebe ich zu.

Sie haben sicherlich den Kluftinger-Spielfilm «Erntedank» mit Herbert Knaupp in der Hauptrolle gesehen. Nehmen Sie sich ihn zum Vorbild?

Stuchlik: Nein, überhaupt nicht. Ich finde, Herbert Knaupp hat Kluftinger nicht so gut getroffen. Das Herz fehlt ihm ein bisschen, die Tiefe, das Innere.

Sie sind dienstältester Schauspieler am Landestheater. Hatten Sie das Erstzugriffsrecht auf diese prominente Rolle?

Stuchlik: Nein, das hat damit nichts zu tun. Als sich Walter Weyers für die Dramatisierung entschied, sagte er: Als Kluftinger kommt nur einer in Frage - der Stuchlik. Ich bin wahnsinnig stolz, darauf. Das ist eine tolle Sache, als erster den Kluftinger auf der Bühne zu spielen.

Bildergalerie der Inszenierung





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Pressemitteilung vom Landestheater Schwaben


Wir eröffnen die Spielzeit 2010 / 2011 im großen Haus mit der Theaterfassung des Romans. Das ist ein Leckerbissen für tausende Fans in ganz Deutschland, die ihren Helden jetzt erstmal leibhaftig auf einer Bühne erleben können. Parallel zu diesem besonderen Ereignis wird auch der Neubau des Landestheaters Schwaben in Memmingen eingeweiht.
Und darum geht´s:
Kommissar Kluftinger freut sich auf ein Wochenende hoch oben in den Allgäuer Alpen. Die Hotelmanagerin Claudia König hat ihn eingeladen, weil er ihr im letzten Sommer das Leben rettete. Auf geht´s also und in bester Stimmung, wäre da nicht der Altusrieder Arzt Martin Langhammer an seiner Seite, dessen aufgekratzte Fröhlichkeit und Wichtigtuerei zur nervtötenden Dauerbelastung wird. Doch auf Kluftinger warten noch ganz andere Bewährungsproben. Nicht genug damit, dass er in einem für die Hotelgäste arrangierten Event sein schauspielerisches und kriminalistisches Talent unter Beweis stellen muss, wird aus dem Spaß bitterer Ernst.
Alle Lichter erlöschen plötzlich, ein Schrei gellt durch die Nacht...
Und die Silvesterfeier wird zum Albtraum. Eingeschneit, abgeschnitten von der Außenwelt gleicht das Hotel jetzt einem Gefängnis. Und jeden Augenblick kann ein zweiter Mord geschehen. Humorvoll, spannend und atmosphärisch stark wie alle Romane aus der Feder von Volker Klüpfel und Michael Kobr präsentiert sich auch dieses Theaterstück rund um den beliebten, bärbeißigen Kommissars.

Die Bayerische Staatszeitung über das Projekt


Kluftinger ermittelt bald auf der Bühne

Von Freddy Schissler
Fünf Jahre ist es her, als Michael Kobr und Volker Klüpfel zur Vorstellung ihres ersten Krimis luden. Der Ort war ein kleiner Buchladen in Memmingen, und dass dort mit Müh und Not 30 Klappstühle aufgestellt werden konnten, war nicht weiter tragisch. Denn mehr Besucher kamen nicht, um Passagen aus  „Milchgeld“ zu hören.

Die Zeiten ändern sich. Wie schnell in diesem speziellen Fall, wundert allerdings selbst die Buchautoren. Ein paar Zahlen und Fakten: Zu einer Lesung kommen inzwischen mehrere hundert Zuhörer, die Vorstellung des aktuellen Bandes mit dem Titel „Rauhnacht“ findet am 6. Oktober (20 Uhr) im Circus Krone in München vor 2000 Besuchern statt (es gibt nur noch wenige Karten). Der von ihnen erfundene Kommissar Kluftinger aus dem Allgäu ist Kult, begeistert eine Leserschar in Millionenhöhe und führt momentan die Spiegel-Bestsellerliste an. Unlängst strahlte das Bayerische Fernsehen die Verfilmung des zweiten Kluftinger Bandes „Erntedank“ mit Herbert Knaupp als Kommissar aus und freute sich über eine Traumquote – 2,37 Millionen Zuschauer bedeuteten einen Marktanteil von 28,1 Prozent.

Nun soll dieser Kluftinger auch auf die Bühne kommen. Das Landestheater Schwaben (LTS) mit Sitz in Memmingen wird die Spielsaison 2010/11 mit einem Theaterstück nach Vorlage des Romans „Rauhnacht“ eröffnen. „Der Text ist witzig, spannend, intelligent“, sagt LTS-Intendant Walter Weyers, der selbst Regie führen wird, „die Top-Autoren sind aus der Gegend hier und ich bin ein ausgesprochener Krimifan.“ Da liege es schließlich auf der Hand, dass sich „sein“  Theater des Kluftinger-Stoffes annimmt. Oder anders ausgedrückt: „Wir wären als Theater doch bekloppt, wenn wir das nicht umsetzen.“

Ein Besucheransturm zu den Aufführungen im dann rundum erneuerten Memminger Theater dürfte ihm jetzt schon gewiss sein, ebenso ein überregionales Medieninteresse. Denn was sich rund um den behäbigen bayerischen Kriminaler bundesweit abspielt, grenzt an Hysterie. Jüngstes Beispiel: Die Klufti-Fans gehen auf der Homepage der Buchautoren nach der Verfilmung auf die Barrikaden, Motto: Was haben diese Filmleute nur aus „ihrem geliebten Kluftinger“ gemacht. Den  jedenfalls haben sie sich offenbar in der Fantasie ganz anders ausgemalt.

Ob solche Reaktionen auch einen Theaterregisseur beeinflussen? „Nein“, sagt Walter Weyers, aber er wisse wohl, dass eine große Aufgabe auf ihn warte.  Schon jetzt machen sich die ersten Ideen in seinem Kopf breit. Schon jetzt setzt er sich intensiv mit dem Protagonisten der Klüpfel/Kobr-Bücher auseinander. Der Intendant hat zudem die Entscheidung getroffen, wer aus seinem Ensemble in die Rolle des Kommissars schlüpfen wird:  Andre Stuchlik, dienstältester Schauspieler am Landestheater Schwaben.  „Den lieben die Leute“, betont Weyers. Der passe wie das Tüpfelchen aufs I.

Nach Tannöd von Andrea Maria Schenkel also ein weiterer Kriminalroman, der auf die Bühne gebracht wird. Dass er nur einem Trend folgen wolle, verneint Walter Weyers entschieden. Schließlich habe er seit Jahren jenes Ziel im Visier, bewusst gegen den Strich zu bürsten. Zum Beispiel mit Stücken rund um Randgruppen wie Straffällige, arbeitslose Jugendliche oder psychisch Kranken. Weyers: „Mich hat alleine die Qualität der Bücher überzeugt“. Wie bei diesen Krimis ironisch, spielerisch leicht und kritisch zugleich mit den Erscheinungen der modernen Zeit umgegangen wird, sagt der LTS-Intendant, das vor allem hätte ihn überzeugt. An der Figur des Kommissars zu feilen, diesem Muhackel und altmodischen, aber klugen und weisen  Menschen, sei eine ganz besondere Herausforderung für ihn. „Und eine Ehre zugleich“. Was die Autoren zur Bühnebearbeitung ihres Romans sagen? „Das ist eine tolle Sache, wir freuen uns  sehr auf die Premiere.“ Als sie um einen Rat gebeten wurden, welches ihrer fünf Krimis auf die Bühne soll, war für sie sofort klar: „Das aktuelle Buch Rauhnacht ist geradezu prädestiniert dafür.“

Die AZ über die Pressekonferenz

Kluftinger kommt jetzt auch auf die Bühne

Landestheater Schwaben plant Inszenierung für Herbst 2010 Intendant Walter Weyers schreibt das Stück, André Stuchlik spielt den Kommissar

Memmingen l kpm l Vor kurzem avancierte Kommissar Kluftinger zur Filmfigur. Nun wird die kauzige Romanfigur des Autorenduos Klüpfel/Kobr auch die Bühne erobern. Das Landestheater Schwaben (LTS) inszeniert die neueste Folge „Rauhnacht“ im Herbst 2010.

Intendant Walter Weyers selbst hatte – beim Plausch mit den Autoren – die Idee, aus der Romanvorlage ein Bühnenstück zu machen. Er höchstpersönlich wird auch die Dramatisierung des Stoffes übernehmen. Wer den Kluftinger darstellen wird, ist ebenfalls klar: der erfahrene LTS-Schauspieler André Stuchlik. „Ihn kann ich mir sehr gut als Kluftinger vorstellen“, sagt Weyers.

Wann genau die Premiere des Neun-Personen-Stücks gefeiert wird, ist noch offen. Sicher ist aber, dass es die Spielzeit 2010/2011 eröffnet wird – und gleichzeitig das dann fertiggestellte neue Landestheater-Gebäude. „Etwas Besseres hätte uns nicht passieren können“, meint denn auch Weyers. Das sei ein „Geschenk für das Theater.“

Aber die Kluftiger-Adaption passt nicht nur terminlich. Das Landestheater rechnet sich ein großes Interesse seitens des Publikums und auch seitens deutscher Theater aus. Schließlich sind die Bücher – wie Weyers sagt – „super-populär“. Viele ausverkaufte Vorstellungen und Gastspiele in ganz Deutschland könnten die Folge sein. Schon sind die ersten Kartenwünsche im LTS eingegangen. Gleichzeitig warnt Weyers: „Das Stück wird nur dann ein Erfolg, wenn es auch gut ist.“

André Stuchlik arbeitet schon daran, die Hauptfigur bestens darzustellen. Er hat sich die fünf Kluftinger-Romane besorgt und liest sie der Reihe nach durch. „Ich bin zum Krimi-Fan geworden“, sagt er. Die Figur Kluftinger findet er „sehr authentisch und wahnsinnig plausibel“. Eines allerdings wird das Publikum nicht erleben: Stuchlik alias Kluftinger wird keine Allgäuer Mundart sprechen. Weyers: „Wenn ein Dialekt nicht ganz authentisch ist, darf man ihn nicht auf die Bühne bringen.“

Wer Karten für die Kluftinger-Premiere reservieren will, kann dies unter Telefon 08331/9459-16 tun.


Klaus-Peter Mayr schreibt dazu in einem Kommentar derselben Ausgabe:


Den richtigen Ton getroffen

Es ist einfach unglaublich, welchen Erfolg Volker Klüpfel und Michael Kobr mit ihrem „Kluftinger“ haben. Der Allgäu-Krimi kommt nicht nur bei uns gut an. Ganz Deutschland amüsiert sich über die wunderbar stimmige Figur und die Geschichten drumherum, über die schrägen Gestalten und die absurden Situationen. Morde und ihre Klärung sind – wie so oft bei Krimis – nur Nebensache. Keine Frage, die beiden Autoren haben den richtigen (Allgäuer) Ton getroffen.

Ihre Bücher erreichen mittlerweile ein Riesen-Publikum. Der jüngste Krimi „Rauhnacht“ hat es bei der Spiegel-Bestsellerliste auf Anhieb auf Platz eins geschafft. Und auch bei ihren kabarettartigen Lesungen wie jetzt in München kommen Klüpfel und Kobr bestens an.

Da wundert es fast schon, dass das Landestheater Schwaben in Memmingen erst jetzt die Idee hatte, den kauzigen Kommissar auf die Bühne zu bringen. Eigentlich logisch, dass sich ein Allgäuer Theater dieses Allgäuer Stoffes annehmen muss. Dem finanziell angeschlagenen Landestheater kann dies nicht nur einen großen Imagegewinn bringen, sondern auch Geld in die Kasse spülen – falls das Stück es den Büchern nachmacht und so vielen Menschen gefällt.

Ob das Landestheater diesen Erfolg haben wird, hängt ganz davon ab, wie gut Walter Weyers den Ton treffen wird. Wie schwer das ist, zeigt der eben gesendete Kluftinger-Spielfilm. Den fanden viele Fans gar nicht so toll ...

Links

Hier finden Sie weitere Infos und Artikel zum Stück:

Augsburger Allgemeine

Allgäuer Zeitung

Bayerischer Rundfunk