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Autoren-Allüren
Von: Volker KlüpfelEs gibt zwischen Michael Kobr und mir ein geflügeltes Wort, und das geht so: Wir müssen uns endlich ein paar Allüren zulegen!
Jetzt werden die, die uns kennen, vielleicht aufjaulen und sagen: „Noch mehr?“ Aber aus unserer Sicht haben wir zu wenig. Gar keine, genau genommen, wenn man davon absieht, dass wir uns schon darüber freuen, wenn wir das Wasser nicht aus dem Hahn trinken müssen und man uns nicht mit den Worten vorstellt: „Die Autoren von Milchgrund und Seespiel!“ Wir fordern keine weißen Blumen in unserer Garderobe, keine Tänzerinnen, die mit weißen Kleidern, auf denen weiße Blumen aufgestickt sind, auf unseren weißen Garderobentischen tanzen. Ja, manchmal beschränkt sich unsere Garderobe sogar auf einen Haken an der Wand – immerhin ist die meistens weiß.
Auch Interviews geben wir, trotz der damit verbundenen Fragen, mit großer Geduld – bis auf dieses eine Mal, als ein Münchner Privatradio anrief, Radio Schubidu oder Ballaballa oder so, nein, jetzt weiß ich’s: Charivari (was übrigens laut Wikipedia so viel heißt wie Katzenmusik), und uns fragte: „Wie heißen Sie eigentlich? Was schreiben Sie denn für Bücher? Und worum geht’s da überhaupt, können sie das mal in zwei Sätzen erklären?“ Also, da fühlte ich mich in meinem journalistischen Berufsethos gekränkt, denn wenigstens die Namen kann man ja vorher im Internet googlen, selbst als hauptberufliche Radiopraktikantin.
Aus unserer Sicht haben wir also viel zu wenig von dem, worüber Boulevardmedien so gerne berichten, was uns in eine gewisse Bredouille bringt, weil unsere Texte wiederum zu wenig von dem haben, wovon die seriösen Medien so gerne berichten.
Ausweg also: Allüren!
Damit befänden wir uns in bester Gesellschaft. Zwei Fälle sind mir jüngst begegnet. Der erste ist, ungewöhnlich genug für einen Prominenten, Kriminalbiologe, also Leichen-auf-Spuren-Untersucher heißt Mark Benecke, hat, ungewöhnlich genug für einen Kriminalbiologen, Fans, die ihn Dr. Made nennen – und benimmt sich auch so. Wie jemand mit Fans, meine ich. Bevor man ihn interviewen darf, was ich vorhatte, muss man sich einen vier Seiten langen Vertrag von seiner Homepage downloaden, den man „in großen schwarzen Druckbuchstaben“ auszufüllen hat, sonst – so droht es in jedem zweiten Satz – werde sich der Herr der Fliegen nicht einmal die Mühe machen, das Gespräch abzusagen. Der Vertrag enthält dann so hilfreiche Punkte wie Ziffer 14(!), in der in großen schwarzen Druckbuchstaben steht:
„ACHTUNG, DAS HANDY MUSS AM TAG DER VERANSTALTUNG EINGESCHALTET SEIN, SONST IST DIE NUMMER NICHT ERREICHBAR.“ Gut, dass das auch endlich mal jemand klarstellt.
Okay, der Mann hat viel mit Leichen zu tun, das darf man bei einem vorschnellen Urteil nicht vergessen. Immerhin: Nach Ziffer 21 und der Schlusserklärung des Vertrages bekennt Herr Benecke „Ich freue mich sehr auf unseren Termin“. Die meisten dürften da schon aufgegeben haben.
Weniger mit Leichen aber doch mit Dahinsiechenden hatte das zweite Prominenten-Beispiel zu tun, immerhin war das mal Doktor und hat ein Buch über sein Organ geschrieben, ich meine die Leber: Dr. Eckart von Hirschhausen. Ernsthaft: Adels- und Doktortitel, das wäre auch für jeden normalen Menschen schwer zu verarbeiten, das ist sozusagen Langhammer hoch zwei. Hirschhausen hält interviewwillige Journalisten wenigstens nicht für blöd, dafür aber für grundsätzlich böse und verschlagen, will er doch den ganzen Artikel danach noch mal gegenlesen und eventuell sprachlich veredeln (wofür ihm manche Kollegen tatsächlich dankbar sein sollten). Sind sie aber nicht, was möglicherweise auch daran liegt, dass sie, sollten sie vorhaben ein Foto von Herrn Hirschhausen zu machen, einen Maskenbildner mitbringen müssen.
Da hat der lustige Herr Doktor wohl ein bisschen zu viel am Lachgas geschnüffelt.
Oder aber, und damit greife ich jetzt den Gedanken vom Anfang wieder auf, er macht etwas grundsätzlich richtig, was wir bisher grundsätzlich versäumt haben. Hinweis auf die Korrektheit dieser Vermutung: Er hat ein Einstecktuch und eine Samstagabendshow, wir weder das eine noch das andere. Doch damit ist jetzt Schluss. Wir veröffentlichen hier nun erstmals unsere „Liste der Forderungen, die erfüllt sein müssen, wenn man mit uns reden oder uns sonst wie nahe kommen will“:
Schlussbestimmung: Stecken Sie diese Liste in einen ausreichend frankierten und mit großen schwarzen Druckbuchstaben beschrifteten Briefumschlag und schicken Sie sie an Dr. Benecke oder Dr. Hirschhausen.
- Freiwillige, für das Zustandekommen des Gesprächs aber bitte nicht zu knapp bemessene finanzielle Zuwendungen bitte vor Drucklegung auf ein Schweizer Nummernkonto überweisen, und zwar bei einer Bank, die über keinerlei Computer mit CD-Rom-Laufwerk verfügt.
- Sollten sie die Absicht haben, ein Foto von Volker Klüpfel zu machen, brauchen Sie keinen Maskenbildner mitzubringen.
- Sollten sie die Absicht haben, ein Foto von Volker Klüpfel zu machen, bringen Sie stattdessen eine Masseuse mit.
- Sollten Sie von einem Radiosender sein, dessen Name sich auf Schlagertitel reimt, rufen Sie fürs Interview folgende Telefonnummer an: 0000037637/464561234724782134872364812634834682346129 (Durchwahl: -2).
- Sollten Sie die Absicht haben, ein Foto von Michael Kobr zu machen, bringen Sie bitte einen Schönheitschirurgen mit.
- Sollten Sie von einem ernstzunehmenden Feuilletonteil einer ernstzunehmenden Zeitung sein, versichern Sie sich noch einmal genau, ob Ihr Chefredakteur nicht doch ein Interview mit Herrn Knopp statt Herrn Kobr und nicht vielleicht doch einen Artikel mit Grass statt einen Artikel mit Spaß bestellt hat. Falls Sie tatsächlich mit uns sprechen wollen, stellen Sie die Fragen langsam und befreien sie sie mit Rücksicht auf unsere Allgäuer Herkunft möglichst von Fremdwörtern.
- Wir fordern für unser Gespräch eine Garderobe mit weißen Blumen und Tänzerinnen, die mit weißen Kleidern, auf denen weiße Blumen aufgestickt sind, auf unseren weißen Garderobentischen tanzen.
- Bringen Sie bitte mindestens zwei Garderobenhaken zum Interview mit.
- Es ist nicht notwendig, würde die Autoren aber sehr freuen, wenn Sie Michael Kobr nicht Michael Korb, Kober, Kohbr oder Koppr, seinen Co-Autor nicht Volker Klüpfl, Klüpsel, Klipfl oder Michael nennen.
Ich freue mich sehr auf unseren Termin.
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Jetzt werdet Ihr aber wirklich richtig professionell. Ich habe schon eine Karte für eine Lesung von Euch im Juli und freue mich schon sehr darauf. Sollte ich es nicht schaffen eine Masseuse und einen Schönheits-chirurgen mitzubringen, müssen wir wegen der Genehmigung für ein Foto nochmal neu verhandeln.
Liebe Grüße
Angela
war diese Woche in KF bei Eurer Lesung und habe mich von Herzen über Euch gefreut und gelacht, wie Ihr Euch gegenseitig und uns Allgäuer im Besonderen auf die Schippe nehmt.
Zum Thema Alllüren, bitte lasst es nicht nur bei der Ankündigung, lebt die Allüren, besonders würden mich die Tänzerinnen und deren Kleider interessieren!
Herrn Dr. Hirschhausen würde ich gerne mal ins Allgäu einladen, damit er mal ein paar richtige "dreckseade Siacha" kennenlernt, die werden ihm seine penetrant gute Laune schon austreiben und im Übrigen wünsch ich ihm ja nichts Schlechtes aber wenigstens ein bisschen Pest an seine Leber und "a baar and ohra na" für die Glückstipps, die kein Mensch braucht. Aber Papier ist ja so geduldig.
Also dir zwei, land it luck und mit Grüßen aus dem Unterland
Petra
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