Die Popstars der Krimiliteratur
Südwestpresse
Volker Klüpfel und Michael Kobr sind die aktuellen Popstars der deutschen Krimiliteratur. Ihre Lesungen sind fast überall ausverkauft. Auch ins Roxy kamen 640 Besucher - der absolute Rekord für eine Lesung.
Aber es sind nicht nur die Besucherzahlen ihrer Lesungen, die an Top Acts der Popmusik-Szene erinnern. Auch die Stimmung gleicht einem Tollhaus, wenn die beiden Autoren die Kultfigur ihrer Romane verbal zum Leben erwecken. Kluftinger heißt er, der schrullige Kriminalkommissar aus dem Allgäu: Wortkarg, ewig grantelnd und mit lakonischem Witz ausgestattet ist er eine Mischung aus Hercule Poirot und Karl Valentin.
Die verbalen Auseinandersetzungen, die Kluftinger mit seinem Erzfeind Doktor Langhammer nicht nur in "Rauhnacht" führt, machen Klüpfel und Kobr zur Grundlage ihres Vortrags. Da wirft man sich gegenseitig Gehirnmangel vor und pointiert selbstironisch die eigene Heimat. Da tobt der Saal und das extra installierte "Gscheidometer" schlägt Höchstwerte aus.
Klüpfel und Kobr stehen zur ihrer Allgäuer Heimat, die sie gerne aber auch aufs Korn nehmen. "Hast Du nicht Deutsch studiert?", fragt Volker Klüpfel. "Ja, aber in Bayern", antwortet Michael Kobr, dessen heimatlicher Dialekt selbst bei größter Anstrengung nicht schwinden will.
Also gibt es Nachhilfeunterricht für das Publikum. Die Allgäuer Universalfrage "Hä?" wird analysiert, das Bierzelt als schwäbischer Balz-Platz Nummer eins vorgestellt, und aus den sehr speziellen Ortsnamen ihrer Region zimmern die beiden kurzerhand eine richtige Unterhaltung.
Gelesen wird natürlich auch. Und den verzückten Freudenschreien aus dem Publikum bei der Ankündigung eines neuen Kapitels kann man entnehmen, dass die meisten Zuhörer "Rauhnacht" wohl schon kennen. Wer die Bücher bislang nicht kannte, wird sich spätestens nach diesem Abend die komplette Kluftinger-Sammlung zulegen. lq