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		<title>Kommissar Kluftinger Blog-Einträge</title>
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		<description>Blog-Einträge des Kommissar Kluftinger</description>
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			<title>Kommissar Kluftinger Blog-Einträge</title>
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			<description>Blog-Einträge des Kommissar Kluftinger</description>
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		<lastBuildDate>Sat, 28 Aug 2010 09:09:00 +0200</lastBuildDate>
		
		
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			<title>Tschaikowski-Platz!</title>
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			<description>Neulich haben wir in Wien gelesen.
Dazu muss man wissen: In Wien ist manches anders.
Anders als...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="color: black;">Neulich haben wir in Wien gelesen.</span>
<span style="color: black;">Dazu muss man wissen: In Wien ist manches anders.</span>
<span style="color: black;">Anders als bei uns, meine ich.</span>
<span style="color: black;">Denn Wien ist in Österreich.</span>
<span style="color: black;">Das allein wär jetzt vielleicht nicht so gravierend, aber es bringt natürlich eine weitere Besonderheit mit sich: Wien ist voller Österreicher.</span>
<span style="color: black;">Genau wie Kufstein, Vöcklabruck und Hohenems, wo wir auch schon zu Gast waren. Ich will ich mich aber auf Wien beschränken, das ist immerhin die Hauptstadt und wird selbst von den Österreichern als noch spezieller als der Rest empfunden. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Diese ganzen Besonderheiten sind sehr schön, denn man bekommt sofort so ein Gefühl. Sie wissen schon: ein Hauch von Exotik, von Geheimnis und Fremdartigkeit, der einen umweht. Wie im Urlaub. Auch wenn man gar nicht zum Urlauben gekommen ist, sondern, wie wir, zum Arbeiten.</span>
<span style="color: black;">Früher signalisierte einem schon der stets gut gelaunte Grenzposten, der deutschen Reisenden gerne ein fröhliches „Do foah ma jetzt eh erst amoi rechts ran“ entgegenschmetterte, dass man sich in einen anderen Kulturkreis begibt. Wer durchgewunken wurde, stellte spätestens beim Anblick der gelben Fahrstreifen fest: Das ist hier irgendwie anders. Aber nun? Die gelbe Farbe ist europäischem Einheitsweiß gewichen und die Grenzer – nun ja, die sind ganz gewichen.</span>
<span style="color: black;">Also keinerlei Unterschiede mehr? Doch, es gibt sie noch. Saubermach-Betriebe heißen in Wien Putzerei, Zeitschriftenläden Trafik, und ein Latte Macciato, von deutschen Touristen gerne <i>Maddschiato</i> ausgesprochen, heißt dort <i>Melange</i>, von deutschen Touristen gerne <i>Melanngsch</i> ausgesprochen. Jetzt wird der Wiener vielleicht einwenden: Ha, Melange ist das Original, nicht die Latte, wir hatten die Kaffeehauskultur schon, da ist Amerika überhaupt noch nicht entdeckt worden. Dem halte ich entgegen: Warum gibt es dann erst seit kurzem Starbucks-Filialen in der österreichischen Hauptstadt, hm? Jaja, immer erst mal nachdenken, bevor man gescheit daherredet …</span>
<span style="color: black;">Wer wissen will, warum das alles so ist, der muss gaaaanz tief in die österreichische Historie eintauchen, sich intensiv mit dem kulturphilosophischen Erbe der Nation beschäftigen. Das wäre jetzt ein bisschen viel verlangt von Normalmenschen wie … Ihnen zum Beispiel, lieber Leser. Ich hingegen habe das getan und werde es Ihnen in Kurzform erläutern, ganz verständlich, ohne viel wissenschaftliches Brimborium. Also: Österreich war einst eine große, bedeutende Nation, auch wenn das heute kaum mehr vorstellbar erscheint. Deswegen gibt es in Wien diese tollen großen Bauwerke, die sind nämlich nicht, wie oft fälschlicherweise angenommen, auf Wunsch japanischer Touristen errichtet worden. Diese bedeutende Nation hatte zum Beispiel eine Sisi. Weil die Sisi aber Romy Schneider hieß und keine Österreicherin war, sondern Deutsch-Französin, da haben die Österreicher gedacht: Blöd jetzt, da müssen wir was erfinden, was genauso gut ist, wie die Sisi. Das waren dann Fiaker, die Sachertorte und Am dam des. Und statt der Weltherrschaft erfand man die ganzen Kaffeesorten wie Einspänner, Verlängerter und Großer Brauner. Das ist, ein bisschen verkürzt, die sozialpsychologische Begründung für das, was sich heute Österreich nennt.</span>
<span style="color: black;">Verweilen wir kurz bei Am dam des – und für die, die’s nicht wissen (also alle Norddeutschen): Es geht ums Fernsehen. Die Einladungen ins Nachbarland freuen uns immer ganz besonders, denn im Herzen sind wir auch ein bisschen Österreicher. Jedenfalls haben wir einen guten Teil unserer Kindheit dort verbracht. Also, nicht richtig im Land sondern im ORF. So heißt da das Fernsehen. Und das war mehr als einmal die Rettung verregneter Pfingstferientage meiner Kindheit. Aller Kindheiten meiner Generation.</span>
<span style="color: black;">Dort gab es um 10.30 Uhr immer ganz tolle Filme zu sehen. Um etwas Vergleichbares im deutschen Fernsehen zu sehen, musste man schon Samstags kurz vor Sendeschluss unbemerkt von den Eltern nach deren Zubettgehen noch mal in der Dunkelheit ins Wohnzimmer schleichen, was man, wenn man das tat, wiederum dazu nutzte, ORF zu gucken, denn da konnte man damals so viele nackte Brüste wie sonst nirgends sehen.</span>
<span style="color: black;">Nachmittags gab es dann Am dam des, das mit diesem kryptischen Reim (diese malle press, diese malle pumperness) begann, den man als Kind nie verstanden aber eben auch nie hinterfragt hat, und das nichts anderes war als verfilmter Kindergarten in einem Studio, das wie eine Mischung aus Raumschiff Enterprise, Dalli-Dalli und dem Ikea Kinderparadies wirkte.</span>
<span style="color: black;">In Wikipedia, dieser Kindheitswunder-Entzauberungsmaschine habe ich mal gelesen, dass es sich bei dem Lied um einen tschechischen Abzählreim handelt, was ich aber gleich wieder verdrängt habe. Es soll ein Mysterium bleiben wie Pezi, der kleine braune Handpuppenbär, der sich im Betthupferl (auch so eine wunderbare Österreich-Erfindung, die heute in den kleinen Schokoladentäfelchen ihre Fortsetzung findet, die abends auf den Hotelbett-Kissen eine heimelige Atmosphäre fern der Heimat zaubern) immer unerträglich altklug und besserwisserisch durch die Bärenwelt plapperte.</span>
<span style="color: black;">Gibt es diese Sendungen noch? Wohl kaum, wenn überhaupt, dann computeranimiert und unter Titeln wie <i>Am dam des, motherfucker</i> und <i>Pezi reloaded</i>.</span>
<span style="color: black;">Aber Österreich gibt es noch, und das ist gut so. Unsere erste Begegnung mit den Eingeborenen damals in Wien, von denen es zwischen den ganzen Japanern auch nicht mehr so viele gibt, hatten wir in einem Aufzug hinunter zur U-Bahn. Dort meinten ein paar wegen unseres Dialekts, wir seien aus Vorarlberg. Man ist ja immer ein bisschen stolz darauf, wenn man im Ausland für einen Einheimischen gehalten wird, aber ehrlicherweise gaben wir zu, dass wir aus Deutschland kommen. Da hatte es der Fragesteller plötzlich ziemlich eilig und musste weg – klar, in einer wichtigen Metropole haben die Leute eben immer was Wichtiges zu erledigen.</span>
<span style="color: black;">Als wir dann in die Straßenbahn umgestiegen sind, ist etwas passiert, das uns gezeigt hat: In Wien ist alles anders, schöner irgendwie, edler, stilvoller. Wir hörten gerade den Schaffner die nächste Haltestelle ansagen, den „Tschaikowskyplatz“, da stellten wir fest, dass es gar nicht der Schaffner war, sondern eine Frau, die ihren Hund mit den Worten zur Ordnung gerufen hatte: „Tschaikowsky, Platz!“</span>
<span style="color: black;">Im Ernst: Tschaikowsky! Ist das nicht toll. Und dabei ist das nicht mal ein österreichischer Komponist. Hier vereinen sich Weltläufigkeit und Bescheidenheit, Hochkultur und Haustierhaltung zu einem klangvollen Ganzen, einem symphonischen Säuseln, das einen auf dem Weg durch die Stadt wie eine Melodie begleitet.</span>
<span style="color: black;">Und wenn man dann in einem der zahlreichen ursprünglichen Kaffeehäuser sitzt, dem Demel oder dem Sacher etwa, umgeben nur von Einheimischen, bei einem Doppelmokka über die Stadt Mozarts – oh, Pardon, der ar ja Salzburger – also über das Land Mozarts und so bedeutender Schauspieler wie Christoph Waltz – Mist, der ist ja Deutscher – oder großer Fußballspieler wie … wie … nun ja, allgemein eben über die Schönheit des Landes sinniert, begleitet von der Spannung, wie wohl die Kellner heute aufgelegt sein mögen (und vom Verdacht, dass hier die alten Grenzer ein neues Betätigungsfeld gefunden haben), dann kann man nicht anders als zu frohlocken: Was für eine wunderbare Stadt! Was für ein wunderbares Land. Sollte es nicht klar geworden sein: das ist ganz ernst gemeint.</span>
Es gäbe noch so vieles aufzuzählen, was man nur hier vorfindet.
<span style="color: black;">Nur eines allerdings gibt es in Wien nicht: einen Tschaikowskyplatz.</span>
<br /><br /><br /><i>Diesen Blog-Beitrag finden Sie auch auf www.augsburger-allgemeine.de</i>]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Sat, 28 Aug 2010 09:09:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Vuvuzela oder so</title>
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			<description>Hören Sie mir auf mit den Vuvuzelas. Ich will einfach nur noch meine Ruhe. Nein, nein, nicht vor...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Hören Sie mir auf mit den Vuvuzelas. Ich will einfach nur noch meine Ruhe. Nein, nein, nicht vor den Tröten. Vor der Berichterstattung über sie. Ich kann es nicht mehr sehen! Morgens schlage ich meine Zeitung auf und schaue in einen Schalltrichter aus Kunststoff. Ein riesiges Bild, in eine Afrikatröte reinfotografiert. Ist nur ein Überblicksartikel, der auf die mannigfachen Berichte hinweist. Auf der Sportseite, der Meinungsseite, der Jugendseite, der Bayernseite und der Allgäuseite. Lasst mich in Frieden!<br /><br />Kauft sie, verbietet sie, verschenkt sie, zerstört sie, blast hinein, bastelt euch Stiftehalter für euren Schreibtisch draus, macht riesige Blasrohre für Megapapierkügelchen damit und gebt sie euren Kindern mit in die Schule, schreddert sie und modelliert neue Stadionsitze für die nächste WM, verwendet Sie als Hörrohr, haut euch damit, schnallt sie euch auf den Kopf, von mir aus esst sie auch – aber bitte, bitte berichtet nicht mehr drüber! Und macht keine lustigen Vuvuzelawitzchen, ihr privaten Radiosender da draußen, ja? Biiittteeeee!<br /><br />So, soviel dazu. Musste einfach mal raus. Wahrscheinlich nennt man dieses Phänomen „Therapeutisches Schreiben“. Und Sie müssen es jetzt lesen. Tut mir leid, ist aber wahnsinnig gut für meine Seelenhygiene. Muss ich schon nicht ins Sanatorium. Somit helfen Sie mit der Lektüre dieses Textchens dem deutschen Gesundheitswesen.<br /><br />Nun also zu dem, was ich eigentlich schreiben wollte: Klufti und wir und Fußballgroßveranstaltungen. Eigentlich etwas, was nicht so recht zusammenpasst auf den ersten Blick. Normalerweise eher eine ruhige Zeit, weil man da keine Veranstaltungen machen kann. Man weiß ja nie, ob es die Deutschen mal wieder bis ins Finale schaffen. <br />Mir wäre es ja wurscht. Ich gehöre für echte Fußballfans eh in die unterste Schublade. Ich war immer reiner WM-EM-Spielederdeutschen-Championsleaguefinaleabernur-wennbayernmünchendabeiist-Zuschauer. Und die haben bei den Fußballbegeisterten noch einen schlechteren Rang als lesbische Frauenrechtlerinnen, glaub ich.<br /><br />Und wenn was anderes ist, dann guck ich gar nicht. Ich hab auch gar keine Spiegelkondome in den Nationalfarben am Auto, geschweige denn Scheibenfahnen, die es dann bei Tempo 180 auf der Autobahn zerfetzt und ich mal mir nie eine Flagge ins Gesicht. Ich setz mir auch keine Hüte auf oder Kappen, die wie explodierte Fußbälle aussehen. Ich hab weder eine eigene, selbstkühlende Fasszapfanlage für den Garten aus dem Fanset dieser großen Bremer Brauerei, noch esse ich Chips und wenn ich am Abend eines Fußballspiels grille, dann höchstens mal ein paar Steaks oder Würstchen, aber nie den Bruzzler. Ich meide Public Viewings und habe bisher Fußballstadien nur dann betreten, wenn gerade nicht gespielt wurde. Und – jetzt seien Sie nicht allzu sehr schockiert, ich weiß, ich bin Deutscher, aber: Ich trinke kein Bier! So, jetzt isses raus. Musste mal gesagt werden. Dafür hab ich sogar ein kleines, schon mehrfach mit Tesa geklebtes Deutschland-Papierfähnchen. Hab ich mal beim Tag der offenen Tür in der Schule verwendet, um die Deutsch-Französische Freundschaft darzustellen. Das reißt es jetzt auch nicht mehr raus, gell? <br />Vor viereinhalb Jahren wäre ich ja noch ein ganz normaler Mainstream-Deutscher gewesen. Bis auf die Sache mit dem Bier. Jetzt bin ich eine Randgruppe. Stehe im Abseits, wenn ich dieses Bild mal bemühen darf. Ich stehe am Rande der Gesellschaft! Nix mit Sommermärchen. Niemand hat mich mitgenommen nach Fußballwunderland. Ich bin im Jahr 2005 stehen geblieben.<br />Und jetzt isses mir egal. Jetzt machen wir Lesungen während Halbfinalspielen. Für alle, die auch kein Asyl in Fußballdeutschland bekommen haben. Vor vier Jahren haben wir das auch schon mal gemacht. Sie wissen schon, WM im eigenen Land. Alle haben sie den Kopf geschüttelt über den Termin. Und alle sind gekommen. Also zur Lesung, mein ich. Ausverkauft. Dabei war Halbfinale gegen Italien. Gab eh Verlängerung, so gesehen hatte man nach zwei Stunden nicht allzu viel verpasst.<br />Und dieses Jahr? Gut, zu diesem Zeitpunkt sieht es eher so aus, als würde Deutschland den schwarzen Kontinent noch vor Ende Juni verlassen, von daher eigentlich müßig, sich Gedanken darüber zu machen, was man machen könnte, während Deutschland im Halbfinale steht. Gut, entweder wir lesen. Am 7.7. in München. Bleibt aber noch die Möglichkeit des anderen Spiels. Das, wenn Deutschland Gruppenzweiter wird und Burkina Faso gegen die Republik San Marino um den siebten Platz gewinnt. Vorausgesetzt, der Vatikan ist schon ausgeschieden. Dann mache ich mich bereit, um etwas zu machen, was nur geht, während ganz Deutschland seiner nationalen Pflicht nachkommt.<br />Ich geh zu Ikea zum Essen. Ganz allein. Oder ich setz mich auf die Bundesstraße vor meinem Haus und lese ein Buch. Ich klau die Kronjuwelen. Ach so, wir sind ja eine Demokratie. Blöd. Dann halte ich eine politische Rede im Stadtpark. Ich … bade und geh danach im Bademantel in der Stadt spazieren. Ich fahr mit dem Auto siebzehnmal über eine rote Ampel. Ich male Politikern auf Plakaten falsche Bärte. Ich mähe meinen Rasen. Ich geh auf den Kinderspielplatz und rutsche! Und wippe mit mir selbst! Ich rufe bei der Telekom an und komme sofort durch!<br />Na ja, wird sich schon was finden. Vielleicht geh ich auch nach Österreich. Ob die überhaupt Fahnen fürs Auto haben? Ich fahr mal schnell rüber und schaue nach. Vielleicht nehm ich mir auf dem Rückweg noch eine Vuvuzela mit. Dann bau ich mir ein Fernrohr draus und schau in die Zukunft. Und sag keinem, wer Weltmeister wird!

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			<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 13:37:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Beim Bayerischen Fernsehpreis 2010 Oder: Als wir einmal ganz und gar überhaupt nicht nirgends im Fernsehen zu sehen waren</title>
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			<description>Am Freitag waren Michael Kobr und ich bei der Verleihung des Bayerischen Fernsehpreises. Jetzt...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<font face="Times New Roman" size="3">Am Freitag waren Michael Kobr und ich bei der Verleihung des Bayerischen Fernsehpreises. Jetzt werden Sie vielleicht sagen: Dann hätte ich die doch im Fernsehen gesehen. Aber genau da liegt das Problem, das ich einmal mit der Schlagzeile umschreiben möchte: „Als wir einmal ganz und gar überhaut nicht nirgends im Fernsehen zu sehen waren.“<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Doch lassen Sie mich von Anfang an erzählen: <br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Sie kennen sicher diese Übertragungen von Preisverleihungen, sei es Oscar, Emmy, Lola<span style="mso-spacerun: yes">&nbsp; </span>oder was für hübsche ostdeutsche Vornamen diese goldglänzenden phallischen Trophäen auch immer tragen, wo manche der Nominierten nur per Foto eingeblendet werden, weil sie eben nicht in der illustren Publikumsschar sitzen. Entweder drehen sie gerade einen anderen Film oder sie waren schon mal bei einer Preisverleihung und sind bedient.&nbsp;<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Philip Roth hat in „Jedermann“ mal einen Satz geschrieben, der auf diese Galas übertragen lautet: „Preisverleihungen sind kein Kampf, Preisverleihungen sind ein Massaker.“ <br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Das Gemetzel beginnt bereits auf dem roten Teppich. Ein befreundeter Schauspieler hat mir kürzlich gesagt, dass er immer den Hintereingang nimmt, worauf ich dachte: wie bescheiden! Ich hingegen verfüge nicht über diese rare Gabe der Selbstgenügsamkeit und sagte in meinem naiven Leichtsinn zu Michael: „Los, wir gehen auch über den Teppich rein, wenn wir schon mal da sind …“ Lassen Sie es mich so sagen: <i>Wir</i> haben dort mehr Bilder von den etwa 8000 Fotografen gemacht als die von uns. Der Vollständigkeit halber: Wir haben zweimal geknipst.&nbsp;<br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Dennoch möchte ich die Hoffnung, dass wir am Rand eines Bildes vielleicht von einer Kamera, die gerade runterfiel, dabei gegen die Absperrung knallte, vom Knie eines Fotografen abgefälscht wurde, dabei auslöste und ein verwackeltes Bild von zwei Krimiautoren schoss, zu sehen sind, nicht völlig aufgeben.<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Plötzlich verstand ich, warum der befreundete Schauspieler immer den Hintereingang nimmt, eine Möglichkeit, die uns ein Security-Muskelpaket im schwarzen Anzug auch offerierte. Ich dachte: aus naiver Unwissenheit über unsere wahre Bedeutung. Er dachte wohl, um das sich anbahnende Unglück zu verhindern, die Stille bereits hörend, die sich einstellen würde, wenn wir an der Fotografenmeute vorbei laufen würden, die der Stille eines Allgäuer Provinzgasthofs <span style="mso-spacerun: yes">&nbsp;</span>gleicht, in den zur besten Stammtischzeit eine Reisegruppe aus Wanne-Eickel stürmt. Plötzlich wurde mir also klar, dass den Hintereingang nicht wählt, wer fürchtet, die Fotografen würden <i>zu viel</i> knipsen.<br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Ich kann Ihnen sagen: Der rote Teppich ist lang, seeeehr lang, etwa so lang wie das, was zwischen den Werbepausen von „Nur die Liebe zählt“ gesendet wird <i>(dazu später mehr)</i>. Es bedarf etwas mehr als unserer bescheidenen Autoren-lesen-mit-verstellten-Stimmen-Schauspielkünste, um diesen kilometerlangen Teppich entlang zu gehen, dessen Rot wirkt, als wäre er mit dem Blut des gemeuchelten Selbstwertgefühls unzähliger B-Promis getränkt, und dabei mit geblähten Backen und rollenden Augen immer so auszusehen, als habe man nun wirklich keine Zeit für diese albernen Fotospielchen, echt, drinnen warten bestimmt wichtige Fernsehkameras (<i>das</i> <i>stimmt sogar, aber natürlich nicht auf uns</i>), und da muss man doch kapieren, dass man nicht überall stehen bleiben kann, und, Entschuldigung, Frau Berben, dürften wir uns mal hinter ihnen durchdrängeln, nein, keine Angst, wir ducken uns, damit das Bild nicht entstellt wird <span style="mso-spacerun: yes">&nbsp;</span>….<br /></font><font face="Times New Roman" size="3"><link http://www.kommissar-kluftinger.de/1293.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=264&tx_ttnews[year]=2009&tx_ttnews[month]=12&tx_ttnews[day]=16&cHash=578dadc7da - external-link-new-window "Opens external link in new window"><img src="typo3/sysext/rtehtmlarea/res/accessibilityicons/img/external_link_new_window.gif" height="10" width="14" alt="" />Es ist ja nicht so, als hätten wir darin keine Übung.</link> <br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Aber, liebe Fotografen, mal ein Wort unter uns: Ein Digitalbild kostet nix, belegt keinen nennenswerten Speicher auf dem Kamerachip, nutzt selbige nicht messbar ab – was spricht dagegen, wenigstens aus Höflichkeit, ach was, reiner Nächstenliebe einfach einmal draufzudrücken? Stattdessen: sich gegenseitiges Überbieten im Promi-Vornamen rufen: „Senta, zu mir bitte! „Wolke, noch mal nach rechts drehen!“ „Iris, ein Lächeln!“ Was hätten sie wohl bei uns gerufen? „Du da, geh mal aus dem Bild.“ „Namenlose, ihr werft unschöne Schatten auf die Promis!“ oder gar: „Für mich bitte eine Cola Light.“<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Ist man dann erst mal drin, scheint nur vermeintlich alles besser. Denn man hat zwar eine Eintrittskarte in der Hand für die dritte (!!!!) Reihe, aber, mal ehrlich, eigentlich ist das die Karte von Herbert Knaup und wir hätten, hätte er nicht drehen müssen, wahrscheinlich in der ersten Reihe gesessen – wie alle Zuschauer bei ARD und ZDF. Das heißt, Moment, übertragen hat ja Sat.1, doch dazu wie gesagt später.<br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Drinnen ist man als Buchautor sofort geblendet, schließlich treiben wir uns sonst auf literarischen Veranstaltungen rum, wo sich die Promisichtungen auf dem Niveau von „Guck mal, da drüben ist doch die Lektorin von dem Esoterik-Verlag“ bewegen. Irgendwann haben wir uns darauf verständigt, nur noch dann auf andere Gäste zu zeigen, wenn diese <i>nicht</i> berühmt sind – uns selber verständlicherweise ausgenommen. Außerdem gilt auch hier: den gelangweilten Ach-sind-ja-noch-gar-keine-Promis-da-Blick aufsetzen und laut sagen: „Wo ist eigentlich der Götz?“ Übrigens: Der Götz kam gar nicht, was schade war, denn wir haben intern 50 Euro ausgelobt für denjenigen, der ihn mit den Worten begrüßt „Grüß Gott, Herr Schimanski!“.<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Schließlich saßen wir neben Anette Frier, die sicher dachte, wir seien zwei von diesen Menschen, die, immer wenn die Promis aufs Klo müssen, deren Platz einnehmen, damit es im Fernsehen nicht so aussieht, als hätten sie keine Lust, die ganze, laaaange Gala anzuschauen oder als müssten Promis überhaupt aufs Klo.&nbsp;<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">In diesem wohligen Gefühl der gemeinschaftlichen Zuneigung und Wärme schauten wir also dem munteren Treiben auf der Bühne zu. Wobei: munter. Das ist jetzt vielleicht nicht das richtige Wort. Denn moderiert wurde die Verleihung von Kai Pflaume. Das ist ungefähr so, als wäre Peter Zwegat Gastgeber der Witzeolympiade.<br /></font><font face="Times New Roman" size="3">So verging Stunde um Stunde, es war heiß, und angespannt waren wir natürlich auch, denn mit einer Hand drückten wir immer Herbert Knaup den Daumen, dass er den Preis verdientermaßen bekommt, mit der anderen drückten wir dagegen, damit wir nicht auf die Bühne müssen. Vom vielen Drücken einigermaßen ermattet kam es gefühlte viereinhalb Stunden später dann aber doch zum Äußersten: Senta Berger öffnete den Umschlag, der Name Knaup fiel, und wir mussten … durften nach vorn. Von den freundlichen Worten Kai Pflaumes begleitet, der verkündete: „Herbert Knaup kann leider nicht da sein, deswegen nehmen den Preis … <i>(er holte einen Zettel hervor und versuchte stockend, die seltsamen Namen, die dort aufgedruckt waren, auszusprechen)</i> ... Volker Kl…üpfel und Michael … Kobr entgegen.“ <br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Nun schlug unsere Stunde, die Bühne gehörte uns, die ganze Welt sah uns zu (jedenfalls die, die nachts um dreiviertel Eins noch Sat.1 guckt), das war unser Moment, denn was sollte der Sender schon machen – uns rausschneiden vielleicht …? Sie ahnen es, diese Idee hatten nicht nur wir. <br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Vielleicht besser so, denn so blieb uns die Schmach erspart, dass alle Sat.1-schauende Welt sieht, wie Kai Pflaume unsere Dankesrede mit den Worten abwürgt: „Wer mehr von den beiden sehen will: Sie gehen auf Tour, Termine gibt’s unter ernte-dank.de.“ Ich hab nachgesehen: Auf ernte-dank.de steht nichts über uns, dafür viel über kleine Geschenke in erdigem Textildesign von einem gewissen Landträumer, etwa ein Kuschelkissen mit Wollfilzbommel. Da hat Kai Pflaume wohl angenommen, das sei von uns. Egal, ich trage ihm das wirklich nicht nach. Er muss einmal pro Woche „Nur die Liebe zählt“ moderieren, er verdient unser aller Mitgefühl.&nbsp;<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Als wir dann zur letzten „Wir-zeigen-den-Landträumern-mal-wo-der-Kai-den-Pflaumenmost-holt“-Aktion aus dem Saal gelotst wurden, worauf sich endlich echte Sit-Ins auf unseren Plätzen niederließen, haben wir auch noch Senta Berger mit ins Verderben gerissen. Als wir nämlich zur Fotowand schritten, vor der alle Gewinner mit dem Preis fotografiert wurden, da hat man diese Fotowand weggetragen. Ob sie Feierabend hatte oder man sie vor uns in Sicherheit bringen wollte, weiß ich nicht. Aber auch Frau Berger hat ein bisschen komisch geguckt, sich dann zu uns umgedreht und ehrlich mitfühlend gesagt: „Jetzt wird es doch nichts mehr mit eurem Foto.“<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Dafür gab es nachher Essen und trinken und trinken und trinken umsonst uns es ist doch noch ein recht lustiger Abend geworden, auf dem wir noch viele Promis getroffen haben. Wir hätten das gerne für Sie fotografiert, aber, mal ehrlich: mit einem Fotoapparat in der Hand hätten wir auch nicht berühmter gewirkt.<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Immerhin habe ich inzwischen bei Durchsicht sämtlicher audiovisueller Dokumente des Abends festgestellt, dass wir doch ziemlich oft im Fernsehen waren. Den 28-Sekunden langen Zusammenschnitt dieser denkwürdigen Auftritte können Sie übrigens <link http://www.kommissar-kluftinger.de/526.0.html - external-link-new-window "Opens external link in new window"><img src="typo3/sysext/rtehtmlarea/res/accessibilityicons/img/external_link_new_window.gif" height="10" width="14" alt="" />auf unserer Homepage</link> sehen. Ich habe uns mit Pfeilen gekennzeichnet, falls Sie uns nicht erkennen sollten.&nbsp;<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">In diesem Sinne: Wir sehen uns.&nbsp;<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Bei irgendeiner Preisverleihung.&nbsp;<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Naja, Sie uns vielleicht nicht.<br /><br /><br />Diesen Blog finden Sie auch auf <link http://www.augsburger-allgemeine.de/ - external-link-new-window "Opens external link in new window"><img src="typo3/sysext/rtehtmlarea/res/accessibilityicons/img/external_link_new_window.gif" alt="" />www.augsburger-allgemeine.de</link><br /></font>]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Thu, 27 May 2010 08:48:00 +0200</pubDate>
			
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		<item>
			<title>Autoren-Allüren</title>
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			<description>Es gibt zwischen Michael Kobr und mir ein geflügeltes Wort, und das geht so: Wir müssen uns endlich...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<font face="Times New Roman" size="3">Es gibt zwischen Michael Kobr und mir ein geflügeltes Wort, und das geht so: Wir müssen uns endlich ein paar Allüren zulegen! <br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Jetzt werden die, die uns kennen, vielleicht aufjaulen und sagen: „Noch mehr?“ Aber aus unserer Sicht haben wir zu wenig. Gar keine, genau genommen, wenn man davon absieht, dass wir uns schon darüber freuen, wenn wir das Wasser nicht aus dem Hahn trinken müssen und man uns nicht mit den Worten vorstellt: „Die Autoren von Milchgrund und Seespiel!“ Wir fordern keine weißen Blumen in unserer Garderobe, keine Tänzerinnen, die mit weißen Kleidern, auf denen weiße Blumen aufgestickt sind, auf unseren weißen Garderobentischen tanzen. Ja, manchmal beschränkt sich unsere Garderobe sogar auf einen Haken an der Wand – immerhin ist die meistens weiß.<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Auch Interviews geben wir, trotz der damit verbundenen Fragen, mit großer Geduld – bis auf dieses eine Mal, als ein Münchner Privatradio anrief, Radio Schubidu oder Ballaballa oder so, nein, jetzt weiß ich’s: Charivari (was übrigens laut Wikipedia so viel heißt wie Katzenmusik), und uns fragte: „Wie heißen Sie eigentlich? Was schreiben Sie denn für Bücher? Und worum geht’s da überhaupt, können sie das mal in zwei Sätzen erklären?“ Also, da fühlte ich mich in meinem journalistischen Berufsethos gekränkt, denn wenigstens die Namen kann man ja vorher im Internet googlen, selbst als hauptberufliche Radiopraktikantin.<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Aus unserer Sicht haben wir also viel zu wenig von dem, worüber Boulevardmedien so gerne berichten, was uns in eine gewisse Bredouille bringt, weil unsere Texte wiederum zu wenig von dem haben, wovon die seriösen Medien so gerne berichten. </font><font face="Times New Roman" size="3"><br /><br />Ausweg also: Allüren!<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Damit befänden wir uns in bester Gesellschaft. Zwei Fälle sind mir jüngst begegnet. Der erste ist, ungewöhnlich genug für einen Prominenten, Kriminalbiologe, also Leichen-auf-Spuren-Untersucher heißt Mark Benecke, hat, ungewöhnlich genug für einen Kriminalbiologen, <i>Fans</i>, die ihn Dr. Made nennen – und benimmt sich auch so. Wie jemand mit Fans, meine ich. Bevor man ihn interviewen darf, was ich vorhatte, muss man sich einen vier Seiten langen Vertrag von seiner Homepage downloaden, den man „in großen schwarzen Druckbuchstaben“ auszufüllen hat, sonst – so droht es in jedem zweiten Satz – werde sich der Herr der Fliegen nicht einmal die Mühe machen, das Gespräch abzusagen. Der Vertrag enthält dann so hilfreiche Punkte wie Ziffer 14(!), in der in großen schwarzen Druckbuchstaben steht:<br />„ACHTUNG, DAS HANDY MUSS AM TAG DER VERANSTALTUNG EINGESCHALTET SEIN, SONST IST DIE NUMMER NICHT ERREICHBAR.“ Gut, dass das auch endlich mal jemand klarstellt. <br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Okay, der Mann hat viel mit Leichen zu tun, das darf man bei einem vorschnellen Urteil nicht vergessen. Immerhin: Nach Ziffer 21 und der Schlusserklärung des Vertrages bekennt Herr Benecke „Ich freue mich sehr auf unseren Termin“. Die meisten dürften da schon aufgegeben haben.&nbsp;<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Weniger mit Leichen aber doch mit Dahinsiechenden hatte das zweite Prominenten-Beispiel zu tun, immerhin war das mal Doktor und hat ein Buch über sein Organ geschrieben, ich meine die Leber: Dr. Eckart von Hirschhausen. Ernsthaft: Adels- und Doktortitel, das wäre auch für jeden normalen Menschen schwer zu verarbeiten, das ist sozusagen Langhammer hoch zwei. Hirschhausen hält interviewwillige Journalisten wenigstens nicht für blöd, dafür aber für grundsätzlich böse und verschlagen, will er doch den ganzen Artikel danach noch mal gegenlesen und eventuell sprachlich veredeln (wofür ihm manche Kollegen tatsächlich dankbar sein sollten). Sind sie aber nicht, was möglicherweise auch daran liegt, dass sie, sollten sie vorhaben ein Foto von Herrn Hirschhausen zu machen, einen Maskenbildner mitbringen müssen. <br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Da hat der lustige Herr Doktor wohl ein bisschen zu viel am Lachgas geschnüffelt.<br /><br /></font><font face="Times New Roman" size="3">Oder aber, und damit greife ich jetzt den Gedanken vom Anfang wieder auf, er macht etwas grundsätzlich richtig, was wir bisher grundsätzlich versäumt haben. Hinweis auf die Korrektheit dieser Vermutung: Er hat ein Einstecktuch und eine Samstagabendshow, wir weder das eine noch das andere. Doch damit ist jetzt Schluss. Wir veröffentlichen hier nun erstmals unsere „Liste der Forderungen, die erfüllt sein müssen, wenn man mit uns reden oder uns sonst wie nahe kommen will“:<br /></font><i><font size="3"><font face="Times New Roman"><br /></font></font></i><i><font size="3"><font face="Times New Roman">Schlussbestimmung: Stecken Sie diese Liste in einen ausreichend frankierten und mit großen schwarzen Druckbuchstaben beschrifteten Briefumschlag und schicken Sie sie an Dr. Benecke oder Dr. Hirschhausen. <br /></font></font></i>
<ol style="margin-top: 0cm;" type="1"><li style="text-align: justify; margin: 0cm 0cm 0pt;" class="MsoNormal"><i>Freiwillige, für das Zustandekommen des Gesprächs aber bitte nicht zu knapp bemessene finanzielle Zuwendungen bitte vor Drucklegung auf ein Schweizer Nummernkonto überweisen, und zwar bei einer Bank, die über keinerlei Computer mit CD-Rom-Laufwerk verfügt.</i></li><li style="text-align: justify; margin: 0cm 0cm 0pt;" class="MsoNormal"><i>Sollten sie die Absicht haben, ein Foto von Volker Klüpfel zu machen, brauchen Sie keinen Maskenbildner mitzubringen.</i></li><li style="text-align: justify; margin: 0cm 0cm 0pt;" class="MsoNormal"><i>Sollten sie die Absicht haben, ein Foto von Volker Klüpfel zu machen, bringen Sie stattdessen eine Masseuse mit.</i></li><li style="text-align: justify; margin: 0cm 0cm 0pt;" class="MsoNormal"><i>Sollten Sie von einem Radiosender sein, dessen Name sich auf Schlagertitel reimt, rufen Sie fürs Interview folgende Telefonnummer an: 0000037637/464561234724782134872364812634834682346129 (Durchwahl: -2).</i></li><li style="text-align: justify; margin: 0cm 0cm 0pt;" class="MsoNormal"><i>Sollten Sie die Absicht haben, ein Foto von Michael Kobr zu machen, bringen Sie bitte einen Schönheitschirurgen mit. </i></li><li style="text-align: justify; margin: 0cm 0cm 0pt;" class="MsoNormal"><i>Sollten Sie von einem ernstzunehmenden Feuilletonteil einer ernstzunehmenden Zeitung sein, versichern Sie sich noch einmal genau, ob Ihr Chefredakteur nicht doch ein Interview mit Herrn Knopp statt Herrn Kobr und nicht vielleicht doch einen Artikel mit Grass statt einen Artikel mit Spaß bestellt hat. Falls Sie tatsächlich mit uns sprechen wollen, stellen Sie die Fragen langsam und befreien sie sie mit Rücksicht auf unsere Allgäuer Herkunft möglichst von Fremdwörtern.</i></li><li style="text-align: justify; margin: 0cm 0cm 0pt;" class="MsoNormal"><i>Wir fordern für unser Gespräch eine Garderobe mit weißen Blumen  und Tänzerinnen, die mit weißen Kleidern, auf denen weiße Blumen  aufgestickt sind, auf unseren weißen Garderobentischen tanzen.&nbsp;</i></li><li style="text-align: justify; margin: 0cm 0cm 0pt;" class="MsoNormal"><i>Bringen Sie bitte mindestens zwei Garderobenhaken zum Interview mit.</i></li><li style="text-align: justify; margin: 0cm 0cm 0pt;" class="MsoNormal"><i>Es ist nicht notwendig, würde die Autoren aber sehr freuen, wenn Sie Michael Kobr nicht Michael Korb, Kober, Kohbr oder Koppr, seinen Co-Autor nicht Volker Klüpfl, Klüpsel, Klipfl oder Michael nennen. <br /></i></li></ol>

<font size="3"><font face="Times New Roman"><i>Ich freue mich sehr auf unseren Termin.<br /><br /><br /></i>Diesen Blog finden Sie auch auf <link http://www.augsburger-allgemeine.de - external-link-new-window "Opens external link in new window"><img src="typo3/sysext/rtehtmlarea/res/accessibilityicons/img/external_link_new_window.gif" height="10" width="14" alt="" />www.augsburger-allgemeine.de</link></font></font>]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Thu, 29 Apr 2010 12:08:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Hallo, Taxi!</title>
			<link>http://www.kommissar-kluftinger.de/517.0.html?&#38;tx_ttnews%5Btt_news%5D=331&#38;cHash=60c8577ccd8cc57dc2063b815a2c4329</link>
			<description>Im nächsten Leben werd ich Taxifahrer. Ich liebe Taxis. Je älter, desto besser. Ich schaue auch...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="LINE-HEIGHT: 115%; FONT-FAMILY: Arial; FONT-SIZE: 10pt">Im nächsten Leben werd ich Taxifahrer. Ich liebe Taxis. Je älter, desto besser. Ich schaue auch immer heimlich nach dem Kilometerstand der alten Daimler-Modelle. Vom rechten hinteren Platz aus ist der ja gut zu erkennen. Ab 500.000 wird’s interessant. Da klingen die Dieselaggregate wie eine Mischung aus den ausgemusterten Touristen-Barkassen im Hamburger Hafen und einem Kässbohrer-Busmotor aus den späten Siebzigern. Die schwarzen Kunstledersitze sehen fast wie Leder aus – wahrscheinlich haben sie ja auch eine mehrere Millimeter dicke Auflage aus rein organischem Material – und das Wageninnere riecht so heimelig nach Kneipe, Krankenhaus, Turnbeutel und Autowerkstatt auf einmal, dass man gar nicht mehr aussteigen möchte. Da sieht man einmal, was ein Auto zu leisten imstande ist. Das sind echte Maschinen. Keine verweichlichten, geschniegelten und polierten Einfamilienhaus-Garagenrumsteher, die mit hundertachtzigtausend Kilometerchen schon die Biege machen!<br /><br /></span><span style="LINE-HEIGHT: 115%; FONT-FAMILY: Arial; FONT-SIZE: 10pt">Aber das Wichtige sind ja nicht die Autos, sondern ihre Fahrer. Wobei, keine Ahnung, ob Sie es wussten, eigentlich sind Taxifahrer ja alle Schauspieler. Glauben Sie jetzt nicht. Kann ich ja verstehen. Manche spielen ihre Rolle eben so perfekt, dass Sie gar nicht merken, dass da von der Kultusministerkonferenz eine große Offensive für das volkstümliche Improvisationstheater läuft. Und die sind alle zur Verschwiegenheit verpflichtet. Rigoros. Wenn rauskommt, dass jeder Taxiplatz mit einem vierstelligen Eurobetrag subventioniert ist, das gibt doch einen riesigen Aufstand der Steuerzahler! Wer den Mund aufmacht, der fliegt. Eiskalt. Und Sie wissen ja aus den einschlägigen Mafiafilmen, was man mit Leuten macht, die Gefahr laufen, den Mund zu weit aufzumachen…<span style="mso-spacerun: yes">&nbsp; </span>Schon mal über die Größe eines durchschnittlichen Taxikofferraums nachgedacht? <br /><br /></span><span style="LINE-HEIGHT: 115%; FONT-FAMILY: Arial; FONT-SIZE: 10pt">Aber ich will Ihnen keine Angst machen. Ihnen kann da nichts passieren. Sie sollen nur die Vorstellung genießen. Wir hatten in der letzten Zeit wirklich Glück mit unseren Darstellern. Alle ganz originell, mit regionalen Bezügen sogar.<span style="mso-spacerun: yes">&nbsp; </span>So wie der nette ältere Herr in der Oberpfalz. Mit grauem Filzhut inklusive Gamsbart und Trachtenjanker unter einem grauen Staubmantel. So eine Art Mischung aus Komödienstadel und Meister Eder. Herrlich. Und im Radio: „Am Abend in der Stu’m … Stub‘ … Stub’n ….“ Egal, Bayern 1 jedenfalls. „So, junga Monn, wo sois higeh?“ Junger Mann! Wo hört man das heute noch? Stellen Sie sich vor, da kommt ein Japaner und fährt bei diesem Darsteller mit. Unvergessliches Erlebnis!<br /><br /></span><span style="LINE-HEIGHT: 115%; FONT-FAMILY: Arial; FONT-SIZE: 10pt">Bleiben wir in Bayern. In München, ja, da merkt man schon: Da ist das Volksschauspiel zu Hause. Da mussten wir neulich mal zur Aufnahme einer CD in ein Tonstudio am Rande der Stadt. In eine Straße, die selbst ich als Nicht-Münchner kenne. Wir steigen in ein Taxi ein, sagen die Straße. Das ratlose Gesicht des Fahrers lässt uns kalt, wir freuen uns auf die Vorstellung. Doch der Herr ist ein ehrlicher Mensch: Obwohl er ein kleines Navi an der Scheibe hängen hat, sagt er frei raus: „Mei, also, ganz ehrlich, ich mach das nur so hobbymäßig hier. Ich kenn mich nicht so aus in München. Wissen Sie, wo es genau hingeht?“ Unsere Angabe muss ihm dann aber zu ungenau gewesen sein, denn er bat uns umgehend, auszusteigen und eine Kollegin mit der Fahrt zu beauftragen. „Wissen’S, ich fahr eher so zum Marienplatz und Bahnhof und so!“ Die Kollegin wusste es dann schließlich. Sie gab das Münchener Original. Zwischen Erni Singerl und Frau Gmeinwieser aus der Polizeiinspektion 1. Sehr nett. Netter als der Herr im Großraumtaxi. Obwohl der eigentlich gar nichts dafür konnte. Der arme Mann wurde gerufen, als wir unser Interview in der Nachtlinie hatten. Dazu muss man wissen, dass das in der Straßenbahn stattfindet. Man muss da zu einem bestimmten Zeitpunkt zusteigen, sonst gibt’s Probleme. Und wir waren nicht nur spät dran, sondern eigentlich schon viel zu spät. Der Mann kommt also nichtsahnend, will uns sein einstudiertes Stück geben und wird von einer uns im Verlag sehr nahestehenden Dame derart in die Mangel genommen, das können Sie sich nicht vorstellen. Der Fahrer hatte sich in eine Einfahrt gestellt, um uns einsteigen zu lassen und kam wegen heftigen Verkehrsaufkommens nicht mehr raus. Ehrlich gesagt nix zu machen. Nach der siebten Ermahnung von unserer Lektorin also, dass er jetzt halt mal rausfahren solle, fragt er dezent nach, ob denn jetzt er fahre oder sie. Dann soll er die Musik ausmachen. Ob er denn auch genau wisse, wohin es gehe. Ob er nicht mal ausnahmsweise die Einbahnstraße … Ob es denn über die Georgenstraße nicht schneller … und Vorsicht, ein Fahrrad! Bitte ein bisschen schneller jetzt … Der arme Mann war echt am Ende seiner Improvisationskunst. Der war fertig mit den Nerven, der Junge. Ich glaub, der fährt jetzt nicht mehr. Der hat sein Studium wieder aufgenommen.<br /><br /></span><span style="LINE-HEIGHT: 115%; FONT-FAMILY: Arial; FONT-SIZE: 10pt">Und dann: Koblenz. Wenn Sie mich fragen, die Wiege des rheinischen Frohsinns. Die sind drauf da, die Leute! Die haben sicher ein Jahr Theaterworkshop hinter sich. Zuerst ein Fünfundsiebzigjähriger, der die Stimme im Funkgerät mit „Schuckelschen“ betitelt und uns über eine Dame vom Straßenstrich aufklärt: „Das is die älteste der Damen, aber auch die fleißigste, die is immer in ihrem Wohnwägelschen. Die kenn isch schon ganz lang!“<br />Dann einer, der uns eine wahnsinnige Russenmafiageschichte erzählt, weil wir zum Polizeipräsidium fahren und am Ende des Tages ein<span style="mso-spacerun: yes">&nbsp; </span>jugendlicher Gangster, im schwarzen Benz ohne Taxischild, der weder Hotel noch Adresse kennt, mit 100 durch die immer gleichen Straßen brettert und uns schließlich entnervt aus dem Wagen komplimentiert mit den Worten: „Isch kann nix mehr für eusch tun. Hier irgendwo muss die Straße sein!“ Wir sind froh, dass wir die anderthalb Kilometer laufen können. Blöd, dass er weiß, wo wir wohnen …<br /><br /></span><span style="LINE-HEIGHT: 115%; FONT-FAMILY: Arial; FONT-SIZE: 10pt">Ja, und schließlich waren wir noch in Viersen. Kennen Sie nicht, gell? Das ist bei Lobberich. Sprich: Lobberisch. Niederrheinische Provinz, kurz vor der holländischen Grenze. Eine ältere Dame, die uns zum Bahnhof nach Wasweißichwo fährt am Sonntagmorgen. Und die redet, als hätte sie erst ein Reibeisen und dann noch Horst Schlämmer gefrühstückt. Inklusive „Schätzelein“. Und Geschichten von Drogenkurieren, vom alten Lobberischer Glanz und davon, dass der Bahnhof in Schlagmischtot viel näher wäre, eigentlich Geldverschwendung, die Fahrt nach Wasweißichwo, aber ihr soll‘s recht sein, sie fährt ja gern. Nein, macht uns nichts aus, wenn sie raucht. Reval ohne. Sensationell. <br /><br /></span><span style="LINE-HEIGHT: 115%; FONT-FAMILY: Arial; FONT-SIZE: 10pt">Aber eines in all der Zeit unserer Lesereisen hab ich nicht verstanden. Das war dieser Fahrer in Köln. Der mit den hölzernen Unter-der-Achsel-Krücken. Mit Patina drauf wie von 50 Jahren Einsatz im Lazarett. Er ging zum Kofferraum, ohne Hinken, wissen Sie, und holte die Krücken raus, Verzeihung, heißt ja politisch korrekt jetzt Gehhilfe, und beginnt einen Fuß nachzuziehen. War mir zu hoch. Ich glaub, das war so ein experimentelles, avantgardistisches Happening. Egal. Man muss ja nicht alles verstehen. Köln ist halt schon eine Kulturstadt.<br /><br /></span><span style="LINE-HEIGHT: 115%; FONT-FAMILY: Arial; FONT-SIZE: 10pt">So, ich muss weg, schon gleich 20:15 Uhr. Was? Tatort? Nee! … Wie? Liebe in der Dornenhecke? Also bitte, als ob ich Inga Lindström anschauen würde! Nein, ich hab mir ein Taxi bestellt. Und ich muss noch Chips und Cola einpacken… Ach ja, sagen Sie niemandem, dass Sie über alles Bescheid wissen, mit den Schauspielern und so. Tun Sie, als wären das alles normale Taxifahrer. Sie wissen ja: Der Kofferraum!</span>
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			<pubDate>Thu, 15 Apr 2010 11:08:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Bei der Brille des Literaten! (Beobachtungen auf der LitCologne II) </title>
			<link>http://www.kommissar-kluftinger.de/517.0.html?&#38;tx_ttnews%5Btt_news%5D=328&#38;cHash=2e2fb1df9e0951c82403f8782d5d2d25</link>
			<description>Hilfe! Jetzt ist es auch bei mir so weit! Ich brauch eine Brille! Wie? Nein, das ist nicht das...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Hilfe! Jetzt ist es auch bei mir so weit! Ich brauch eine Brille! Wie? Nein, das ist nicht das Alter! Frechheit! Sooo alt bin ich auch wieder nicht. Deutlich unter 40 jedenfalls. Nur dass das klar ist.
Ich brauch ja keine Lesebrille<span style="mso-spacerun: yes">&nbsp; </span>– so eine halbe, zum Um-den-Hals-Hängen an einer goldenen Kette. Nein. Noch nicht. Noch muss ich mir auch kein kunstledernes Etui umhängen, wie jener Studiendirektor, den wir damals in Geschichte hatten. Der, der uns in den späten 80er Jahren mit einem seltsam starren Gesichtsausdruck verkündet hat, er sei „lieber tot als rot“ und der sich immer laut fragte, warum die Deutschen denn beim „Todfeind Russland“ (Originalzitat) ihr Gas bezögen. Das war wohlgemerkt ein staatliches bayerisches Gymnasium. Aber Schwamm drüber – wir sind trotzdem mündige Bürger geworden, und die meisten haben den Wehrdienst verweigert. Aber ich schweife ab. Diese Brille jedenfalls war irgendwie sein Markenzeichen. Fast das einzige, woran ich mich bei ihm erinnern kann. Bis auf diese mächtige Glatze, deren Herkunft wir auf das häufige Tragen von Stahlhelmen in der Jugendzeit zurückführten. Die Brille wies ihn als Angehörigen einer bestimmten Berufsgruppe aus, er hätte es vermutlich „Stand“ genannt: So eine Brille trug man erst ab der Beförderung zum Oberstudienrat.
Brillen also erzählen eine Geschichte über ihren Träger. Das gibt es ja heute immer noch. Es gibt die typischen „Als-Buchhalter-hab-ich-viel-Stress-aber-am-Wochenende-fahr-ich-mit-den-Kindern-im-Fahrradanhänger-zum-Bauernmarkt-Ökosachen-kaufen-Brillen“: oben schwarz, unten randlos und unermesslich langweilig. Dann gibt es noch die außen schlammfarbenen, innen bunten Designmodelle, die gerne mal innovative Schreinermeister tragen, die sich eher als Künstler denn als Handwerker fühlen, und deren Frau der Ansicht war, dass ein bisschen dezente Farbe doch mal was Frisches habe.
Ganz zu schweigen von den roten, runden Kunststoffgestellen, die gern der Inhaber eines mittelmäßigen Landgasthofes in Mittelschwaben um die Mitte 40 trägt, weil ihm das eine ungeheure Ähnlichkeit mit diesem Fernsehkoch verleiht.
Aber zurück zu mir und meinem Brillenproblem. Erstens: Ich seh zu gut. Also nix mit Krankenkasse und so. Ich muss mir mein Gestell komplett selber kaufen. Musste ich damals schon, als ich als Student unbedingt eine Metallbrille wollte, die man beim Argumentieren in gaaaanz wichtigen Hauptseminaren zum Thema „Kafkas Schloss und die postmoderne Literaturtheorie seit Lévi-Strauss“ immer so toll abnehmen und schwenken konnte. Als ich festgestellt hatte, dass das Seminar nichts mit Jeansmode zu tun hatte, war der Reiz der Brille übrigens schon wieder verflogen und ich hatte sie nur noch auf, weil ich einen dieser wunderbaren Sonnenbrillen-Aufstecker dazugekauft hatte. Wieder abgeschwiffen. Geschweift.
Also. Ich brauch eine Literaturbrille. Beziehungsweise eine Literatenbrille. Eine richtige. Nicht so eine, die ich mir letzten Herbst für die Messe in Frankfurt habe machen lassen. So eine schmale, dezente, die man fast nicht wahr nimmt im Gesicht. Die war so dezent, dass ich sie jetzt gar nicht mehr finde im Moment. Und so dezent, dass sie keiner bemerkt hat auf der Messe. War nicht von Armani oder Guess oder so, wo der Designer dick draufsteht – bin ja kein Poserer oder wie das heißt. Nein, von Ermenegildo Zegna war die. Was für ein Name! Ermenegildo. Heißt übersetzt schätzungsweise Hermengild. Unterschätzter Name. Egal. Das war keine Literatenbrille.
Die ganze Bandbreite der Literatenbrillen haben wir neulich kennen gelernt in Köln. Auf der lit.cologne. Sprich: „Littkoloooon“. Wahnsinnsfestival. Da sind sie alle da, die neuen Literaten aus ganz Deutschland und halb Europa. Und wir beiden also mittendrin. Wir haben uns sogar mit einer Audi-Limousine zur Veranstaltung fahren lassen. Die hätte uns auch vom Bahnhof abholen sollen, musste aber wahrscheinlich gerade einen Literaten nebst seiner Brille fahren. Sind wir eben mit einem Taxi gefahren. Mit einem Fahrer, der diese Holzkrücken für die Achselhöhlen hatte, die man aus den amerikanischen Dreißigerjahrefilmen kennt. Aber davon ein andermal mehr.
Zurück zum Thema: Sie wollen wissen, wie so so eine brille aussieht. Eine Literatenbrille ist eigentlich schnell erklärt: Denken Sie sich einfach die Brille, die sich selbst der Klassenstreber damals, der, der Mathematik- und Französisch-Leistungskurs hatte, weil er ja so vielseitig begabt war und weil ja Astrophysik eh sein Hobby war, wenn er nicht gerade Schach spielte oder im Kirchenchor sang, nie angezogen hätte. Weil ihm die Jungs vom Sport-LK aufgelauert hätten, um ihn des Nächtens in den Schulspringbrunnen zu werfen, mit dieser Brille. Oder versuchen Sie sich die Brille des schwer vermittelbaren Bubis in „Eis am Stiel“ Teil 1-9 vorzustellen. Diese Apparaturen, für die ein Begriff wie Nasenfahrrad ein echter Euphemismus ist. Eine Brille, die nie und nimmer ernst gemeint sein konnte. Genau diese Brillen tragen jetzt die Literaten. Und die, die sich für solche halten, weil sie gerade in der zwölften Klasse sind und Deutsch-LK haben und zum Frühstück regelmäßig ein paar Seiten Nietzsche in ihr Müsli bröseln, bevor sie das braune Cordsakko, das ihr Vater schon in den Kleidersammlungssack gesteckt hatte, überziehen und mit einer Antikledertasche losgehen zum wissenschaftlichen Propädeutikkurs in Rhetorik. Riesengroße, braune, schwarze, beige-fleischfarbene oder sogar weiße Rahmen, meist eckig, in denen das Fensterglas spiegelt. Sie können sich nicht vorstellen, wie groß die Dinger sind. Die können Sie sich bei Starkregen über den Kopf halten und Sie und Ihr Kind samt Wagen wird nicht nass. Es scheint eine Art Eintrittskarte in die Literaturszene zu sein. Obwohl es Gottlieb Wendehals, der diese Dinger ja auch immer bei seinen Auftritten trug, dorthin ja nie geschafft hatte.
Jetzt stellen Sie sich uns beide vor unter all diesen bebrillten Litkoloonern beim Abschlussabend des Festivals. Ich ohne Brille, die prollige schwarze RayBen in der Jackentasche – und Volker mit einer stinknormalen Durchschnittsbrille normaler Größe. Die haben uns angesehen und gedacht: „Ah, ist doch nett, dass sie jetzt die Fahrer auch bei dem Fest mitmachen lassen.“ Oder sie haben sich Sätze zugeraunt wie: „Schau, die Arbeiterklasse ist heut auch vertreten. Wahrscheinlich waren es die, die in der Fußgängerzone die Flyer für unsere Lesung aus den experimentellen Lyrikbänden verteilt haben! Die können wir mal in die Uni einladen für eine Sozialstudie!“
Nicht, dass jetzt der Eindruck entsteht, dass wir die Literaten nicht mögen. Warum denn auch – wir kennen sie ja gar nicht. Haben auch noch nie mit einem geredet. Die reden nämlich nur mit Literaten. Also Poeten quasi. Und die haben ja bekanntlich diese Brillen. Ich will jetzt mal mit einem reden. Immerhin bin ich Schriftsteller. Okay, okay: Autor. Und examinierter Germanist. Hauptseminare über Kafka, Poststrukturalismus und Faust II. Und ich will endlich Literat werden. Iwilliwilliwill. Das sehen Sie allein daran, dass ich jetzt launige Texte über Brillen schreibe und nicht mehr nur Allgäukrimis. Ja, ja, Sie haben mich enttarnt! Mir wurscht. Bin selber groß. Also kommt jetzt diese Brille her. Ich hab grad die Nummer des Managements von Gottlieb Wendehals gegoogelt. Und wenn der die Brille schon beim Sozialkaufhaus abgegeben hat, dann …
Dann halt nicht. Wahrscheinlich haben die Fahrer dieser Limousinen eh die interessanteren Geschichten zu erzählen… Und im Allgäu täten sie mich eh bloß auslachen mit meiner Riesenbrille!<br /><br /><br />Diesen Block finden Sie auch auf <link http://www.augsburger-allgemeine.de - external-link-new-window "Opens external link in new window"><img src="typo3/sysext/rtehtmlarea/res/accessibilityicons/img/external_link_new_window.gif" height="10" width="14" alt="" />www.augsburger-allgemeine.de</link>]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Tue, 06 Apr 2010 06:30:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Beobachtungen auf der LitCologne, oder: Warum ich gerne Roger Willemsen wäre</title>
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			<description>Wissen Sie, wer ich gerne wäre?Nein, nicht Frank Schätzing.Roger Willemsen! Steht doch in der...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Wissen Sie, wer ich gerne wäre?<br /><br />Nein, nicht Frank Schätzing.<br /><br />Roger Willemsen! Steht doch in der Überschrift, jetzt konzentrieren Sie sich halt ein bisschen.<br /><br />Fast wäre ich es sogar geworden. Also ich meine: ein Roger. Stand bei meinen Eltern ganz oben auf der Liste der Wunschnamen. Man selbst wird da ja leider nicht gefragt, aber lange Zeit war ich tatsächlich froh, dass er dann doch noch von Platz eins verdrängt worden ist. Wobei Volker, der es schließlich geworden ist, vom Coolness-Faktor her ähnlich hoch anzusiedeln ist und in einer Liga spielt mit Waldemar oder Hartmut, die aber nicht im Rennen waren. Allerdings hat Roger einen entscheidenden Vorteil: Er ist international kompatibler. Man denke nur an ein von vollen französischen Lippen gehauchtes „Rrrroschee“ oder ein hartes, von einem stiernackigen Texaner gerufenes „Radschr“. Da brauch ich mit meinem Volker im Ausland gar nicht erst ankommen, dieser urgermanische Name ist selbst für die meisten unserer direkten Nachbarn erstens unaussprechlich und zweitens unaussprechlich unsexy, vergleichbar mit anderen deutschen Lifestyle-Exportschlagern wie Birkenstock oder Heino.

Aber Willemsen will ich ja auch nicht wegen des Namens sein, sondern wegen … naja, allem halt. Letzte Woche zum Beispiel auf der LitCologne. Das ist ein pompöses Promitreffen der Literaturszene am Rhein, was man zum Beispiel daran sieht, dass uns ein Autor im Foyer unseres pompösen Hotels sagte, dass man sich nachher unbedingt im Schokoladenmuseum treffen müsse, weil „da darf man rauchen und alle sind berühmt“.<br /><br />Rauchen durfte man tatsächlich.<br /><br />Aber das nur nebenbei.<br /><br />Als ich am nächsten Morgen aus unserem pompösen Hotel auschecken wollte, spielte sich dann folgende Szene ab: Mir wurde vom der Rezeptionistin mit professioneller Freundlichkeit begegnet, ich wurde höflich gefragt, ob ich denn etwas aus der Minibar gehabt hätte, was ich pflichtgemäß verneinte, denn auch bei von anderen bezahlten Hotelaufenthalten reuen mich als Schwabe die vier Euro für ein stilles 0,3-Wasser dermaßen, dass ich dafür nicht nur mit zu viel Geld sondern auch mit meinem friedlichen Schlaf bezahlen müsste. Ob ich weitere Ausgaben gehabt hätte, wollte die Dame in der adretten Hoteluniform mit gleichbleibender Freundlichkeit noch wissen, wobei sie sicher das Angucken schweinischer Filmchen meinte, was natürlich sofort empört verneinte. Ich traue mich ja nicht mal, einen der oft wirklich sehr spannenden Pay-TV-Spielfilme anzuschalten, weil ich nicht glaube, dass die auf der Rechung nach Sex- oder Actionfilm trennen, und ich dem wissenden Lächeln der Rezeptionistin am nächsten Morgen nichts außer ein schamhaftes Erröten entgegenzusetzen hätte, worauf ich denken würde, da hätte ich jetzt auch gleich den Erotikstreifen anschauen können, wenn das jetzt eh jeder denkt.
Wie gesagt: Auch diese Frage verneinte ich, worauf mir die Dame mit professioneller Freundlichkeit einen schönen Tag wünschte, ich aber in ihren lächelnden Augen die Frage lesen konnte: „Wann kommt denn in diesem mit Berühmtheiten vollgestopften Hotel endlich&nbsp; &nbsp;mal wieder jemand Prominentes vorbei…“ Während ihre Augen dies also noch lautlos fragten, ging in ihrem Gesicht plötzlich die Sonne auf. Ich dachte schon, sie hätte mich erkannt, da stieß sie mit einer Emphase, die weit jenseits aller professionellen Freundlichkeit lag, die Worte aus: „Guten Morgen, Herr Willemsen!“
Ich drehte mich um – und da stand er tatsächlich, in einem lässigen blauen Anzug, die Krauslockenfrisur lässig um den Kopf gebogen, den Mund zu einer zufriedenen Schnute geschürzt.
Ich war sowieso fertig und beschloss, ein paar Schritte abseits zu beobachten, wie man Roger Willemsen wird. Was soll ich sagen? Wäre das Wort Charmebolzen noch nicht erfunden, jetzt wäre dessen Einführung in die deutsche Sprache unerlässlich gewesen. Es kam sogar noch eine zweite Rezeptionistin dazu, und so wurde zu dritt geschäkert, gelacht und geflirtet, dass es nur so funkte.
Schließlich bog dann auch noch Christian Brückner um die Ecke, die deutsche Stimme von Robert DeNiro, und ich dachte schon, jetzt müssen sie die beiden Hotelmitarbeiterinnen gleich beatmen, aber Herr Brückner wirkt dann doch eher, wenn man ihn nur hört, und als er weg war („Mein Lieber, tschüss!“), versuchte Herr Willemsen noch ein kleine Ehrenrettung, indem er sagte, Herr Brückner sei praktisch „eine Legende“.
So wurde ich also Zeuge eines der letzten großen Verführer unserer Zeit, eine Legende sozusagen, und wollte mich schon abwenden, da mir klar wurde: Das kriegst du eh nie so hin. Gott sei Dank habe ich aber noch gewartet, denn sonst hätte ich den Schluss des Ganzen verpasst. Da kam nämlich ein Taxifahrer rein, ging schnurstracks auf Roger Willemsen zu und fragte den erwartungsvoll Dreinblickenden: „Sind Sie Herr Heinrich?“<br /><br /><br /><br />Diesen Blog finden Sie auch auf&nbsp;<link http://www.augsburger-allgemeine.de/ - external-link-new-window "Opens external link in new window">www.augsburger-allgemeine.de</link><br />
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			<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 08:23:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>WMETISBC (Wie mir einmal träumte ich sei beim Casting)</title>
			<link>http://www.kommissar-kluftinger.de/517.0.html?&#38;tx_ttnews%5Btt_news%5D=313&#38;cHash=b17a7d7b731e4ef29e35fa729b0fe091</link>
			<description>Gleich mal, das ist wichtig, erklärt sich aber erst im Verlauf dieses Blogs, ein literarisch...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Gleich mal, das ist wichtig, erklärt sich aber erst im Verlauf dieses Blogs, ein literarisch anspruchsvoller Einstiegssatz: Neulich träumte mir. <br />Es heißt tatsächlich so, nicht: träumte mich, obwohl es stimmen würde, denn der Traum handelte von mich … äh: mir. <br />Mir träumte also von mir, dass ich ein Autor wär. Das heißt: ein richtiger, anspruchsvoller, also armer. Um meiner Erfolglosigkeit zu entrinnen, bewarb ich mich bei einer neuen Castingshow im Privatfernsehen mit dem eingängigen Titel: DSGTTA (gesprochen, nunja, „Dsgnts“ eben) – Deutschland sucht Germany’s Top Text Autor. Alles begann damit, dass man sich im Casting-Lokal einfinden musste, einem holzvertäfelten Dorfgasthof in Depsried, das wirklich so heißt und gleich neben meinem Heimatort Altusried liegt, was mich freute, dachte ich doch, da haben die ganzen Affen aus der Stadt die schlechteren Karten. Meine Laune trübte sich jedoch schnell, als ich der Jury ansichtig wurde (entschuldigen Sie die Ausdrucksweise, aber ich leide noch unter den im Folgenden beschrieben Traum-Traumata und achte deshalb auf eine besonders gewählte Diktion), der ich eine Geschichte vorlesen sollte. <br />Die Jury war hammermäßig, ja megamäßig besetzt: Neben Heidi Klum, deren Anwesenheit mich wunderte, weil mir nicht sofort klar war, zu welchen literarischen Fragen genau sie ihre Expertise abgeben sollte, saß dort Frank Schätzing, was mich gar nicht wunderte, weil er ja zu allen literarischen Fragen Expertisen abgibt. Er führte gerade per Handy ein Interview mit Reinhold Beckmann und wurde parallel für eine Unterwäschekampagne fotografiert, weswegen er nur mit einer Boxershort bekleidet war, und Jury-Mitglied Bruce Darnell ihm dauernd zurief „Die Unterhose muss läbändidsch sein, Baby!“, worauf ich mich auch ausziehen wollte, was Heidi Klum mit panisch verzerrtem Gesichtsausdruck und rudernden Armen zu verhindern wusste. <br />Hinter den beiden saßen, irgendwie als erweiterte Jury-Statisterie, meine Mutter, Sylvie van der Vaart, Kommissar Kluftinger, Detlef D. Soost, mein Vater und alle Autoren, die nach uns Allgäu-Krimis herausgegeben haben. Der Raum war ganz schön voll, kann ich Ihnen sagen. Als ich rein kam, schrie ein Moderator, der auch noch Schreyl hieß (ich meine, man muss sich mal vorstellen, auf was für Gedanken man im Traum kommt), also da schrie dieser Schreyl: „Hier kommt unser nächster Kandidat, Volker. Volker, wie fühlst du dich gerade?“<br />Vor all diesen Leuten thronte auf einem güldenen Stuhl der Jury-Präsident: Michael Kobr. Im Traum hatte ich noch nie von ihm gehört, aber er war mir auf den ersten Blick unsympathisch, was wohl auf Gegenseitigkeit beruhte, denn er begrüßte mich mit den Worten: „Tut mir leid, wir suchen hier einen Autor, verstehen Sie: AU-TOR, da habe Sie sich sicher verlaufen, die Hupfdohlen werden im Keller gecastet.“ Er sagte wirklich Hupfdohlen, das muss man sich mal vorstellen.<br />Ich bin nicht mal wütend geworden, sondern wollte schon wieder gehen, was mich im Nachhinein nun wirklich wundert. Aber im Traum ergibt das ja alles immer einen Sinn und man akzeptiert es irgendwie, auch wenn man sich nach dem Aufwachen fragt: Welchen absterbenden Gehirnwindungen ist denn diese krude Geschichte entsprungen? Kennen Sie das? Da redet man im Traum mit irgendjemand und noch während des Gesprächs ist es plötzlich jemand völlig anderes – und man wundert sich nicht mal darüber. Ich meine: In echt wäre es ja schon seltsam, wenn Herr Müller während des Gesprächs zu Herrn Mayer würde, da würde man ja schon mal fragen: Sagen Sie mal, Herr Müller, Sie waren doch gerade noch Herr Mayer. Das käme einem schon spanisch vor – außer vielleicht im Fall meiner Uroma, die während einer Unterhaltung ihren Gesprächspartner immer mit den unterschiedlichsten Namen titulierten und sich darüber offenbar überhaupt nicht wunderte – dafür die Gesprächspartner umso mehr. Jedenfalls ist im Traum alles anders und jetzt Schluss damit.<br />Ich wollte also schon wieder gehen, da schrie mich der Moderator mit den Worten zusammen: „Bleib hier! Das war natürlich nur ein Test. Wie fühlst du dich jetzt?“, und mir einen Fragebogen reichte, den ich ausfüllen sollte, um eine „adäquat empathische Berichterstattung zu gewährleisten“, wie da stand. Da wurde, das muss man sich mal vorstellen, unter anderem gefragt: <br /><br /><i>Unter welchen unheilbaren Krankheit leiden Sie/Ihr Vater/Ihre Mutter/ihre ganze asoziale Familie?<br />Wenn Sie unter keiner unheilbaren Krankheit leiden, unter welcher würden Sie gerne leiden?<br />Wenn Sie unter keiner Krankheit leiden möchten, wie lange saßen Sie wegen Ihrer Drogengeschäfte im Gefängnis?<br />Wenn Sie keine Drogengeschäfte betreiben, nie im Gefängnis saßen und auch nicht krank sind bzw. beabsichtigen, dies bald zu sein: Was zur Hölle haben Sie dann hier zu suchen?</i><br /><br />Nachdem ich den Fragebogen nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt hatte, wobei ich mich bei der Krankheit aus reiner Verzweiflung für „vegetative Dystonie“ entschieden hatte, worauf Marco Schreyl mir gleich das Mikro unter die Nase hielt und fragte: „Das ist ja ganz schlimm, wie fühlst du dich dabei?“, ging’s los: Ich las der Jury meine Geschichte vor, die davon handelte, wie ein auf dem Dorf lebender Polizist in einem Mord ermitteln muss, dem der Lebensmitteldesigner des örtlichen Milchwerks zum Opfer gefallen ist. Darauf brach die gesamte Jury-Mannschaft in großes Gelächter aus, was mich erst sehr stolz machte, bis ich merkte, dass sie mich auslachen, und ich mir dachte, dass es wirklich lächerlich ist, mit so einer Idee an die Öffentlichkeit zu gehen. Frank Schätzing unterbrach sogar sein Slip-Shooting, um mit Lachtränen in den Augen zu sagen: „Wer soll den das lesen? Ich meine: Es kommt werde der Mond noch eine geheimnisvolle Lebensform darin vor.“ <br />Worauf ich sagte: „Das stimmt nicht, es kommen viele Allgäuer darin vor.“<br />Mit einem Schlag verstummte das Lachen und alle drehten sich zum Kommissar um, der wissend nickte, worauf Michael Kobr, der inzwischen eine Kuheuter als Krone trug, aufstand, ein Eisbein als Zepter schwang und rief: „Die Mine meines Mont-Blanc-Füllers hat mehr Schreibtalent als du, raus jetzt. Aber die Geschichte kannst du hier lassen, ich werfe sie für dich weg.“<br />Ich begann zu weinen, sagte, dass ich doch vegetative Dystonie hätte und meine Mutter wegen Drogenbesitzes verhaftet worden sein, worauf diese wütend aufsprang und den Saal verließ, das muss man sich mal vorstellen. Ich warf mich auf die Knie, bat um eine letzte Chance, sagte, dass das mein großer, einziger Traum sei, dass ich mein Leben lang nichts anderes hatte tun wollen als Kriminalgeschichten zu erzählen, die im Allgäu spielen und in denen Lebensmitteldesigner ermordet werden, ich keinen Plan B hätte und das Angebot, die Dessous-Modenschau der Landfrauenvereinigung Holzgünz zu moderieren, für dieses Casting ausgeschlagen habe. <br />Darauf erhob sich Heidi Klum unter hysterischem Geschrei eines plötzlich zahlreich vorhandenen, ekstatisch klatschenden Publikums und der ganze Schankraum war erfüllt vom Licht Millionen blinkender Leuchtdioden. Sie stellte sich vor mich hin und sagte mit ganz, ganz strengem Blick: „Eine Challenge ist kein Ponyhof…….(lange Pause)…… Du hast dich heute nicht genug bemüht ………(ganz lange Pause) ……. Volker ……(wahnsinnig lange Pause)…….. ich habe heute leider kein Foto für dich.“<br />Foto? Ich verstand nicht? Was soll ich mit einem Foto? <br />„Bin ich jetzt im Recall?“, fragte ich verwirrt, denn ich wollte doch einen Buchvertrag, meine Geschichte sollte als Fortsetzungsroman in der Cosmopolitan erscheinen und mein Starschnitt in der Bäckerblume … Ich schrie genau so hysterisch wie das Publikum und mit diesem Schrei erwachte ich.<br />Auf der Couch. <br />Gerade noch rechtzeitig. <br />Denn im Fernsehen lief der Vorspann von Germany's Next Topmodel.<br />Das muss man sich mal vorstellen.


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			<pubDate>Thu, 18 Mar 2010 22:06:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>SV Meppen gegen Wattenscheid 09 oder: Das Stierhuhn</title>
			<link>http://www.kommissar-kluftinger.de/517.0.html?&#38;tx_ttnews%5Btt_news%5D=303&#38;cHash=eb3cc28b77371af2bae0d36008d46c51</link>
			<description>Prominente werden ja zu allem möglichen Schnickschnack befragt – wahrscheinlich, weil sie Experten...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Prominente werden ja zu allem möglichen Schnickschnack befragt – wahrscheinlich, weil sie Experten des Halbwissens sind, oder, falls es sich um Schauspieler handelt, erwartet wird, dass sie zumindest so tun können, als hätten sie von allem eine Ahnung – oder einfach nur zu allem etwas sagen, wozu man ihnen ein Mikro unter die Nase hält. <br /> <br /> Das Ergebnis dieser sogenannten Von-nix-eine-Ahnung-aber-zu-allem-eine-Meinung-Bewegung kann man allabendlich in diversen Boulevardmagazinen begutachten: Da geben aufgehübschte Wetterfeen Schmink- oder Passend-zum-Wetter-Anziehen-Tipps, anorektische Hollywoodgrazien erklären uns, wie man seine nicht vorhandenen Fettpölsterchen kaschiert und deutsche Moderatoren deutscher Sendungen auf deutschen Fernsehkanälen senden uns geheimnisvolle Botschaften wie „Kallarjuhrlaif“ oder „Lettmiäntertähnju“ oder wünschen uns „Merrikristmasändahebbinujhr“. Neulich wurde ich sogar Zeuge, wie der oscargekrönte Filmregisseur Florian Henckel von Donnersmarck sein Gripperezept (also vermutlich war gemeint: Grippevermeidungsrezept) preisgab: Hühnerbrühe, „die aus dem echten Huhn und dem echten Rind gekocht ist, worauf die Kraft des Tieres in einen übergeht und man nicht mehr ein schwacher Mensch ist, sondern ein Stier“. Das auch zum Thema: Adel in Deutschland.<br /> <br /> Wir, also der Kobr und ich, wir sind zwar nicht prominent, aber manchmal werden wir trotzdem gefragt und dann machen wir natürlich mit – und freuen uns diebisch darüber, dass unsere Nichtprominenz niemandem aufgefallen ist (was dann passiert, steht im Blog-Beitrag <i>Stopp, die Promis kommen</i>).<br /> Und schon sind wir in die gleiche Falle getappt wie die echten Promis. Diese Falle lautet: eitles Ignorieren des allgemeinverständlichen und seit dem Kindergarten gültigen Satzes „Halt gefälligst die Schnauze, wenn du vom Thema nix verstehst“!<br /> <br /> Womit wir bei besagtem Thema wären: Fußball. Jetzt ist es nicht so, dass ich gar nichts über Fußball wüsste. Nein, ich wohne ja in Augsburg, und weiß, dass die da … gewissermaßen … auch Fußball spielen. Und als zugereister Lokalpatriot und mangels Allgäuer Alternativen bin ich natürlich total dafür. Also, für Augsburg. <br /> <br /> Ein durchaus gespaltenes Verhältnis zum Fußball gestehe ich jedoch ein. Fußballfans in großen Massen machen mir Angst (vor allem wenn sie in Horden vor dem McDonald’s-Schalter stehen, an dem ich gerade einen kleinen Milchshake bestellen will). Auch habe ich das Regelwerk nicht bis in die letzten Verästelungen verinnerlicht und Spielerkollektiv ist mir auch keines so richtig ans Herz gewachsen, was daran liegen könnte, dass sie alle vornehmlich eins tun: Fußball spielen – und damit wären wir wieder beim Ausgangspunkt des Problems. Aber Deutschland-Fan bin ich natürlich schon. Von Deutschland als Mannschaft, meine ich. Deswegen versammle ich mich regelmäßig bei internationalen Meisterschaften vor dem Fernseher und juble den Spielern zu, von denen ich weder die Namen kenne, noch verstehe, wie sie auf unterschiedlichen Positionen spielen können, wo sie doch die ganze Zeit wie aufgescheucht auf dem Spielfeld herumrennen. Mein Bruder nennt mich wegen dieses nur zweijährlich wiederkehrenden Fußball-Interesses liebevoll „Schmarotzer“, was aus seiner Sicht verständlich ist, abreitet er sich doch auch zwischen den internationalen Meisterschaften durch die Tiefen und Wirren der Trainerentlassungen, Spielertransfers und Englischen Wochen.<br /> <br /> Mein Fußball-Trauma führt aber, wie die meisten Traumata, in meine Kindheit. Mein Vater war früher selbst aktiver Fußballer und weiterer Erklärungen bedarf es eigentlich nicht. Das hieß: Sonntagnachmittage vor dem Fernseher und bei Kaffee und Gebäck Spiele wie <i>Uerdingen gegen Wattenscheid</i> oder den Knaller <i>Meppen gegen Osnabrück</i> gucken. <br /> Live.<br /> In voller Länge.<br /> Leider noch ohne Werbeunterbrechungen.<br /> Selbst heute verfalle ich bei Nennung dieser Ortsnamen ansatzlos in Sekundenschlaf, weswegen ich sie großräumig umfahren muss, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin. <br /> <br /> Diese lange Einführung ist notwendig, um meine Schockstarre zu verstehen, als wir, wegen eines anderen Interviews gerade beim Bayerischen Rundfunk weilend, vom einem Sportreporter abgefangen wurden, auf dass wir den wöchentlichen Promi-Bundesligatipp abgeben sollten. Ich sag’s mal so: Wir haben vor allem das Wort Promi gehört. <br /> <br /> Aber der Reiz dieses Wortes verflog in dem Augenblick, in dem die Fragen gestellt werden: <i>Bremen gegen Bochum? Herta gegen Schalke?</i> Sind das überhaupt Städte? Und mit welchem Ergebnis blamiert man sich am Wenigsten? Immer unentschieden tippen fällt irgendwann auf. Und für den klassischen Doofen-Tipp 2:1 (<i>weil beide ja irgendwie gut sind und ein Tor schießen werden, einer aber halt wohl auch besser sein wird und deswegen eins mehr schießt</i>) bin selbst ich mir zu schade.<br /> <br /> Man sagt, dass Frauen, die von Aktien keine Ahnung haben, beim Anlegen meist besser abschneiden als börseninteressierte Männer (nicht, dass Frauen prinzipiell keine Ahnung von Börse haben, Gott, nein, Frauenbeauftragte dieser Republik: Waffen wieder einstecken). Vielleicht lagen wir mit unseren Tipps also gar nicht so falsch (einmal haben wir allerdings 5:1 getippt, dieser Prognose scheint mir doch böses Enthüllungspotenzial unserer Ahnungslosigkeit innezuwohnen). Was mich allerdings stutzig macht: Da ich selbst nicht mehr weiß, welche Ergebnisse wir vorhergesagt haben (spricht auch für meine „Expertise“), habe ich versucht, sie im Internet wiederzufinden. <br /> <br /> Nix!<br /> <br /> Gar nix!<br /> <br /> Ich meine: im Internet! Da finden Sie selbst noch das Bild der Betriebsfeier `92, als wir mit Kondommützchen über dem Kopf Polonaise getanzt haben. Aber unser Toto-Tipp? Ausradiert. Selbst das Internet, diese gigantische Erinnerungsmaschine, die noch in 100 Jahren diesen Text ausspucken wird, wenn jemand in das Suchmaschinenfeld die Wörter <i>Depp </i>und <i>Bundesliga </i>eingibt, selbst die wollte diesem beschämenden Offenbarungseid ein gnädiges und schnelles Ende bereiten.<br /> <br /> Ich könnte jetzt sagen: Wir wussten ja nicht genau, für welches Jahr wir die Ergebnisse tippen sollten. Aber das wäre ein leicht durchschaubarer Rechtfertigungsversuch. Vielleicht sollte ich in Zukunft einfach ein bisschen öfter nein sagen. <br /> <br /> Aber jetzt muss aufhören, es ruft gerade jemand an, der mich als Jurymitglied einladen will. Für einen Gebetswettbewerb.]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Thu, 11 Feb 2010 16:54:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Frechheit - oder die Sache mit dem Schnee</title>
			<link>http://www.kommissar-kluftinger.de/517.0.html?&#38;tx_ttnews%5Btt_news%5D=299&#38;cHash=89d16c76b37a37a41f3a5b0d8352070d</link>
			<description>So eine Frechheit! So eine unglaubliche Sauerei! Fuchsteufelswild bin  ich! Aber lassen Sie mich...</description>
			<content:encoded><![CDATA[So eine Frechheit! So eine unglaubliche Sauerei! Fuchsteufelswild bin  ich!<br /> Aber lassen Sie mich die Sache von Anfang an erklären. Ganz in Ruhe.<br /> <br /> Also: Wir müssen es nicht mehr extra betonen, wir sind Allgäuer. Das  bringt man mit nichts weg. Man ist es und bleibt es.  Manche Dinge  ändern sich nicht. Und das ist auch gut so. <br /> Ebenfalls nicht extra hervorheben müssen wir, dass wir hier bei uns im  Allgäu nicht nur die schönsten Berge gebaut haben, also die Allgäuer  Alpen, sondern auch maßgeblich an der Erfindung einer Jahreszeit  beteiligt waren, die sich früher Winter nannte, die man jetzt aber eher  unter dem Namen Schneechaos-Saison oder Powderwochen kennt. Schnee und  Allgäu, das gehört zusammen wie Käs und Spatzen.<br /> <br /> Gut, in Grönland ist es manchmal im Winter auch ein bissle überzuckert,  in Teilen von Alaska und angeblich auch in Norwegen. Ach ja, und nach  Russland haben wir die Lizenz verkauft. Sibrien und so, kennt man ja. <br /> Bislang aber war klar: Wenn es in Deutschland Schnee gibt, dann fällt  bei uns am meisten. Mindestens … zehnmal so viel wie anderswo. Und wenn  es mal in Oberbayern mehr gab, dann haben wir nicht so genau hingesehen.   Was immer schon so war, das ist Gewohnheitsrecht. Und das wird  irgendwann so behandelt wie ein Grundrecht. Ein Menschenrecht quasi.  Oder so ähnlich war das jedenfalls.<br /> <br /> Wir haben hier ja auch unsere eigene Schneehierarchie. Klar, dass es im  Oberallgäu mehr gibt als im Ostallgäu, vom Unterland ganz zu schweigen.  Je nördlicher im Allgäu, desto uncooler im Winter! <br /> <br /> Es gibt Wettbewerbe zwischen benachbarten Dörfern, wer mehr hat, und bei  wem die weiße Pracht schon bis zum Badfenster geht. Ganz davon zu  schweigen, dass es früher Winter gab, wo es bis zur Dachrinne reichte.  Mindestens. Wer am meisten Zentimeter zu bieten hat, also im Garten,  nicht falsch verstehen jetzt, der ist der King. Will sagen, der  Schneekönig. Der kann alle Frauen haben, wenn Sie wissen, was ich meine.  Glauben wir jedenfalls.<br /> <br /> Stolz fuhren wir schon früher gen Ulm oder Augsburg, mit Tempo 80 auf  der Autobahn, damit die gigantische 30-Zentimeter-Autodach-Schneemütze  nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Um dann durch die Innenstadt zu  cruisen und den Leuten zu zeigen, was es bedeutet, in einer der  wildesten Regionen der Welt zu leben. Zu überleben. Wir stiegen aus,  bereit uns mit den Moonboots und der Mega-Survival-Daunenjacke den  neugierigen Fragen der Flachlandtiroler zu stellen. <br /> „Ja, ja, sicher, es ist hart, zwanzig Zentimeter im Garten liegen zu  haben. Aber wir kämpfen uns einfach durch.  Wir haben da so etwas, das  heißt Schneeschaufeln, Winterreifen und Handschuhe, wisst ihr?  Kennt  ihr hier natürlich nicht. Das macht das harte Leben ein bisschen  erträglicher“, pflegten wir dann zu sagen.<br /> Und nun? Kümmert keinen mehr! Von wegen: Wer hat’s erfunden? Überall  haben sie jetzt schon Schnee! <br /> <br /> Frankfurt am Main! Am Main!! Anfang Januar waren wir dort beim Lesen.  Bei uns : Skifahren Fehlanzeige. Und dort?  Kommen uns Langläufer im  Park entgegen. Im Park!<br /> <br /> Regensburg: 20cm Neuschnee während der Lesung. Danach der hoffnungsvolle  Anruf zu Hause. „Und? Badfenster?“ Und gleich danach die Enttäuschung:  „Na, bei uns tut’s nix!“ <br /> Toll, wirklich. Schnee in Berlin, in Rostock bricht der öffentliche  Verkehr zusammen und in Hamburg gibt’s ne Loipe auf der Alster! Wir  machen uns ja zum Gespött der Leute! Wir lesen aus Rauhnacht, erzählen,  dass der Klufti eingeschneit ist. Und bekommen nach der Lesung grinsend  einen Zeitungsausschnitt  zugesteckt, auf dem die aktuelle Schneehöhe  von Sonthofen verzeichnet ist. 7cm. Danke fürs Gespräch! Das ärgert mich  noch, als wir kurz darauf zum Hotel stapfen. Durch 30cm Schnee. In  Reck-ling-hau-sen!<br /> <br /> Brauchen die doch gar nicht, den ganzen Schnee. Nehmen wir mal Usedom.  Oder Fehmarn. Was wollen die jetzt mit Pulverschnee? Wir gehen ja auch  nicht her und bauen uns ein Meer! Wir sehen nämlich ein: Brauchen wir  nicht. Wir hätten ja noch nicht mal einen Strand!<br /> <br /> Aber die? Schneeverwehungen, Nächte im Auto mit Notfalldecken,  Schneepflüge, Schneefräsen … all das, wovon ein Allgäuer Junge schon im  Mutterleib träumt! Nachmacher!<br /> <br /> Jetzt hat es ja immerhin ordentlich geschneit am Wochenende. Ich also  gleich mein Auto rausgestellt, wegen der Schneehaube und so. Hab mehrere  Bekannte und Verwandte in ganz Deutschland angerufen. Wegen der  Badfenstersache. Waren recht beeindruckt, muss man sagen. Und was hörst  du kurz drauf im Radio? In Mecklenburg fällt die Schule aus und die  Rügenbrücke ist gesperrt. 45 cm Neuschnee. Schönen Dank.<br /> <br /> Ich muss jetzt los. Kein Flöckchen Schnee fällt mehr vom Himmel! Meine  Tante hat für morgen ihren Besuch angekündigt. Sie will das mit dem  Fenster undbedingt sehen. Hab gar nicht dran gedacht, dass wir ja das  Bad im ersten Stock haben. So teuer kann so eine Schneekanone auch   nicht sein, oder?<br /> <br /> Viele Grüße aus der MSHRE (most snow having region ever) - formally  known as the ALLGÄU.<br /> <i></i>
<div class="indent align-right"><i><br /></i>
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<br /><br />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 19:14:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Der Klufti in uns</title>
			<link>http://www.kommissar-kluftinger.de/517.0.html?&#38;tx_ttnews%5Btt_news%5D=273&#38;cHash=00d696a31e0be978162ac4cd92a328b4</link>
			<description>Das ist jetzt eigentlich gar kein richtiger Blog-Eintrag, eher ein Intermezzo, eine kleine...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Das ist jetzt eigentlich gar kein richtiger Blog-Eintrag, eher ein Intermezzo, eine kleine Erklärung, ein Offenbarungseid. Und, okay, zugegeben: Es müsste eigentlich heißen: Der Klufti in mir. Denn es geht hier um mich, um mich undnochmalummich. Um mich und mein technisches Unvermögen. Nicht um das der Menschen um mich herum. Aber erstens klingt „in uns“ besser und zweitens gibt mir allein der Gedanke etwas Selbstachtung zurück, dass vielleicht auch andere so kläglich gescheitert wären wie ich. Nicht nur Klufti…

Aber hier ist die ganze, traurige Geschichte. Die Geschichte eines jungen … jaja, schon gut: eines mitteljungen … herrgott, na gut, eines mittelalten Mannes (jetzt zufrieden?), der sich, als Angehöriger der Web-2.0-Generation, als Mitglied der Informationselite, als geschmeidiger Surfer durch die Netzwelten – und, wie sich rausstellt: Computerdepp – aufmachte, einen Blog zu installieren. Denn das tun die aufgeklärten jungen … und mittelalten Menschen heutzutage: sie twittern, mailen, bloggen, smsen, chatten und eisikjuen (das kannten Sie jetzt nicht, hm? ICQ, ha, immerhin&nbsp; mit den Begrifflichkeiten kenn ich mich aus), als gäbe es kein Morgen mehr. 

Doch vor dieses Morgen haben die Götter das Heute gesetzt, oder mindestens das (Morgen)Grauen, und das heißt in diesem Fall: <i>Bitte registrieren Sie sich</i>. Denn ohne Registrierung kein Blog, das ist klar, denn der Webspace (wieder so ein toller Begriff, den ich so selbstverständlich benutze, wie ich mir morgens meinen Computer einschalt, also, nachdem ich die Steckdoseleiste angeknipst und den Router per Resetknopf zum Laufen gebracht habe, wobei ich dann nur noch die Antennen ausrichten muss, wobei ein kleines Stück Schokoladen-Alufolie die Sendeleistung erhöht, wie ich festgestellt habe) ist zwar irgendwo da draußen, aber er muss ja mir erst einmal zugewiesen werden. 

Für unserer Homepage haben wir einen Webmaster (wobei ich mich immer frage, ob ich, obwohl ich dafür bezahlen, dann eigentlich sein Webdiener bin? Und gibt es in diesem Network eigentlich noch irgendjemanden, der German spricht?), der das für uns erledigt, aber da wir multitaskingmäßig auf zwei Homepages bloggen, nämlich auch auf der von der <i>Augsburger Allgemeinen</i>, müssen wir, also: ich, jetzt doch diesen Prozess durchlaufen. Aber: Hallo, ich hab mir erst neulich eine Computerzeitschrift gekauft und damit in schlappen zwei Wochen meine WLAN-Verbindung eingerichtet, das wird nicht einmal zwei Minuten dauern, dann bin ich da … Moment, sehe gerade, dass mit einer Registrierung immer nur einer bloggen kann. Hm, dumm jetzt, es gibt gar keine Anmeldung für Autorenduos. Haben die wohl vergessen, ganz schön nachlässig... Aber ich hab den anderen, den Kobr, nun mal am Hals, also muss ich da irgendwie anders weiterkommen. 

Was für eine Adresse geb ich da denn jetzt eigentlich an? Nicht, dass die (und wer sind <i>die</i> überhaupt) noch denken, wir wohnen zusammen, der Kobr und ich. Und den Blogger-Namen muss ich auch ändern, weil der muss ja für uns beide passen. <i>Hübscherjungerundbescheidenermann</i> passt jetzt also nicht mehr. Hm, wo mach ich jetzt das? Mist, geht nicht. Muss in der Online-Redaktion anrufen. Egal, die helfen mir schon<i>.</i>

<i>Das kann nur der Administrator</i>, heißt es da. 

Ach so, ja, danke. Nur gut, dass ich nicht Klufti bin, der würde jetzt wahrscheinlich im Telefonverzeichnis nach einem Wolfgang Administrator suchen … Ich dagegen – weiß eigentlich auch nicht, wer das ist. Also, was er macht schon, aber wer ist das? Gut, noch mal anrufen. Schwupps, Name geändert.

So jetzt nur noch das Bild uploaden … kreizkruzifix, wie geht das denn nun wieder? Da ist ja gar kein Button zum … okay, noch mal anrufen. Mist, schon wieder die Kollegin am Telefon. Wieder auflegen? Nein, die sieht ja meine Nummer. Aber die denkt sich bestimmt auch ihren Teil von wegen: Jetzt weiß ich, von wem der Kommissar die Internetschwäche hat. Egal, noch mal fragen. 

<i>Du hast aber schon die Anmeldungsemail bestätigt?</i>

Die Anmel… jajaja, natürlich, sicherlich, no question, das hab ich sofort als Erstes gemacht, ha, wer vergisst denn so was, das ist doch das Allerallerwichtigste überhaupt. 

Jetzt schnell auflegen, Email-Programm booten, Mail confirmen – ui, es geht! Ich bin drin. Mit Bild, jawoll. Und eine Nachricht hab ich schon. Vom Admisistrator höchstpersönlich. Er (Sie?) heißt mich willkommen in der Community. Hat die (er?) da extra auf mich gewartet? Mei, das ist so schön, thanks, da kommen mir echt die Tears 2.0, could this only der Klufti erleben.

So, genug jetzt. Wie gesagt: War eigentlich gar kein richtiger Blog-Eintrag. Im nächsten richtigen geht es um uns, Promis und Fußball. Wie das zusammenpasst (Sie ahnen schon: gar nicht!) lesen Sie in ein paar Tagen an dieser Stelle.]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 29 Jan 2010 16:43:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Fix und Foxi süß-sauer oder: Außer Sie sind Frank Schätzing</title>
			<link>http://www.kommissar-kluftinger.de/517.0.html?&#38;tx_ttnews%5Btt_news%5D=272&#38;cHash=486297c05b3516a13563befc957ad414</link>
			<description>Ist zwar schon eine Weile her, aber den Blog (oder heißt es das Blog? Oder gar der Blog? Oder am...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Ist zwar schon eine Weile her, aber den Blog (oder heißt es das Blog? Oder gar der Blog? Oder am Ende wegen der Gleichberechtigung sogar die Blog?) gab’s damals ja noch nicht, deswegen erst jetzt:<br /> <br /> die Buchmesse.<br /> <br /> …<br /> …<br /> <br /> <br /> Das Wort muss man erst einmal so stehen, nachklingen lassen in die Stille hinein bzw. das Grundrauschen des Internets. Denn nur so kann man ermessen, was der Begriff für einen Autor bedeutet. Buchmesse – das ist das Fegefeuer der Eitelkeiten für Schreiber und Verlage, der Kulminationspunkt des schriftstellerischen Schaffens – und hat doch gar nichts damit zu tun. Denn auf der Buchmesse ist eine entscheidende Gruppe im ganzen Literaturbetrieb nicht gegenwärtig, und wenn doch, dann nur geduldet: der Leser. Alle Fachbesucher wollen zur Messe an den publikumsfreien Tagen, denn, so raunt man sich auf den Gängen zu, bald kommen die Leser und dann, oh Gott, dann wird’s voll und eng und stickig und wehe dem, der dann noch da ist. Ganz fürchterlich soll das werden, hat uns ein Autor mit rollenden Augen verraten, der sich mit einem ziemlich erfolgreichen Debüt zum ersten Mal hier aufhielt. <br /> <br /> An den publikumsfreien Tagen findet man deswegen auf der Buchmesse auch wesentlich mehr Promis. Da kann es schon mal vorkommen, dass man plötzlich gemeinsam mit einem der größten Modeschöpfer der Welt auf der Toilette ist, und feststellt (Entschuldigung für die Deutlichkeit, aber so war’s nun mal), dass Blähungen auch vor den oberen Zehntausend nicht halt machen. <br /> <br /> Oder man gerät aus Versehen in den Strudel, der verursacht wird, wenn Tokio Hotel oder Til Schweiger irgendwo auftauchen. Überhaupt: Was haben die eigentlich auf der Buchmesse zu suchen? Da feiert man doch das Erscheinen von Büchern, nicht die Tatsache, dass man endlich mal eins ohne Bilder gelesen hat…<br /> Egal, weiter also zum berühmtesten <i>Maschkerle </i>(Begriffserklärung am Ende) der Republik, Günther Wallraff, der erstaunlicherweise ausgerechnet auf der Buchmesse in zivil erschien, obwohl er da doch Gelegenheit gehabt hätte, als Manga komplett unterzutauchen. <br /> <br /> Jetzt muss ich das mit den Mangas vielleicht in einem kleinen Exkurs erklären. Mangas sind, vereinfacht gesagt, japanische Comics, also Fix und Foxi süß-sauer sozusagen. Sie kennen bestimmt welche, das sind die mit den riesigen Insektenaugen und den gewaltigen, immer weit aufgerissen Mündern mit der einen durchgehenden Zahnreihe, die alle so aussehen, als seien sie aus derselben Zelle geklont (bestimmt haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum Heidi aus der Schweiz in der Zeichentrickserie genau so aussah wie Marco, der seine Mutter in Italien suchte, obwohl doch angeblich keinerlei verwandtschaftliche Beziehung zwischen den beiden bestand. Oder hat Marco seine Mutter nur deswegen gesucht, weil die was mit dem Almöhi hatte und beim Abstieg vom Berg in einer Felsspalte steckenblieb?). Die Fans dieser Japan-Comics, also vermutlich die <i>Mangalen</i>, kommen in Scharen auf die Buchmesse, genau so angezogen, wie die Figuren in den Comics auch – nur in dick. Vielleicht wirkt sich der Konsum dieser zuckrigsüßen rosaroten Bildwelten nachhaltig schlecht auf die Figur aus, jedenfalls zwängen die Fans (fast immer: Mädchen) sich in viel zu enge Glitzerleggins, kleben sich Flügel an den Rücken und Fühler ans Hirn, um anschließend auszusehen wie eine, einem 80er-Jahre-Bennetton-Katalog entsprungene, abgestürzte Weltraum-Hummeln (wobei das auch wieder ein toller Titel für diese japanischen Monsterfilme wäre: Weltraum-Hummel gegen Space-Laus). Warum die sich so anziehen, ist übrigens völlig ungeklärt. Die anderen Besucher tun das ja auch nicht. Die Schätzing-Fans wandeln nicht als Riesenauge oder Minimond durch die Hallen, Helmut-Schmidt-Begeisterte nicht mit Zigarette, Maffay-Leser (ja, auch der hat ein Buch gelesen … äh: geschrieben) nicht mit angeklebter Riesenwarze und Charlotte-Roche-Leser… nunja.<br /> <br /> Wie bin ich da jetzt drauf gekommen? Ach ja, Wallraff. Promis. Wen gab’s noch zu sehen? Reinhold Messner beim Frühstück zum Beispiel, der sich offenbar auch im flachen Frankfurt gerne eine Scheibe Tiroler Speck auftischt, Ruth Westheimer (Sie wissen schon, die den Sex erfunden hat) und: Jack White, der wahrscheinlich zur Strafe, dass er die 80er Jahre mit Hasselhoffs „Looking for Freedom“ akustisch verseucht hat, sich nun durch alle Lyrik-Neuerscheinungen der Messe lesen muss.<br /> <br /> Soll heißen: die Buchmesse ist in jedem Fall ein Erlebnis, auch wenn man nicht Frank Schätzing ist. An dem kam man diese Mal in Frankfurt ja nicht vorbei. Also: Im Wortsinne, denn wo auch immer er sich aufhielt, war eine derartige Traube aus Journalisten um ihn, dass man besser einen Umweg nahm, wollte man nicht irgendwo zwischen zwei Verlagsständen aufgerieben werden.<br /> Man sollte als Autor also tunlichst vermeiden, die Buchmesse zu einem Gradmesser der Selbstrelevanz zu machen – außer man ist Frank Schätzing. Denn egal, wie erfolgreich man ist, man findet immer ein Poster, das größer ist als das eigene, ein Buch, das prominenter platziert ist, eine Autogrammschlange, die länger ist als bei einem selbst – wie gesagt, außer man ist Frank Schätzing.<br /> <br /> Warum also zur Buchmesse gehen, wenn einem da doch nur der Kopf gewaschen wird (das lässt sich Frank Schätzing übrigens bestimmt von einem professionellen Stylisten erledigen, so perfekt wie diese einzelne graue Strähne ihm immer in die Stirn fiel)? Eben deswegen! Wir waren da als Nummer Eins der Bestsellerliste, aber glauben Sie, das hätte jemanden interessiert? Nicht mal Frank Schätzing. Und schon gar nicht Herta Müller, Sie wissen schon, die vom Nobelpreis. Mit der wir eine Lesung hatten. Jaja, Sie haben schon richtig gesehen: Wir hatten eine Lesung mit Herta Müller. Milchgeld und Herztier, Kässpatzen und Atemschaukel – endlich wuchs zusammen, was zusammen gehört.<br /> Und wissen Sie, wer keine Lesung mit Herta Müller hatte: Frank Schätzing!
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Bergiffserklärung: Mascherkle, das: Mal mehr, mal weniger glücklich verkleideter Mensch, vornehmlich zur Faschingszeit anzutreffen.


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			<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 06:31:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Stopp, die Promis kommen oder: Emails an Claus Kleber</title>
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			<description>Letztens wieder Preisverleihung des „Corine internationaler Buchpreis“ gewesen. Sperriger Titel,...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Letztens wieder Preisverleihung des „Corine internationaler Buchpreis“ gewesen. Sperriger Titel, aber heißt nun mal so. Als Vorjahres-Corine-internationaler-Buchpreis-Gewinner waren wir auch eingeladen. Haben damals den Weltbild-Leserpreis bekommen, worauf uns zahlreiche Leute zur „Korinne“, zur „Koriehn“ oder wahlweise auch zu „dem Preis mit der Frau da“ gratuliert haben. <br /> <br /> Dieses Jahr also wieder da. Und festgestellt: Sic transit gloria mundi. Frei übersetzt heißt das etwa „Und Sie schreiben --- was für Bücher?“ Denn der Einlass ins imposante Prinzregententheater führte für alle über den roten Teppich. Links standen die Fotografen, die auf die wie immer zahlreich erschienene Prominenz wartete. Als wir kamen, hielt uns ein freundlicher Herr am Eingang auf – allerdings nicht, um uns für die Fotomeute ins rechte Licht zu setzen. Nein, vielmehr, damit wir Allgäuer Tölpel nicht in das Bild latschen, das da gerade von echten Prominenten gemacht wird. Bei uns klickte dann kein Fotoapparat mehr, weswegen wir angestrengt so taten, als hätten wir es eilig und weder Zeit noch Lust, die sicher gleich aufbrandenden, zahlreichen, ja endlosen Fotowünsche zu erfüllen. Ist ja auch wirklich lästig dieses Geschreie und Geblitze, mal ehrlich, wer will das schon, da wird man nur blind und überhaupt…<br /> <br /> Der Platz, den uns die Veranstalter dann im Theater reserviert hatten, war um einiges prominenter als wir selbst: dritte Reihe, Mitte, direkt hinter Claus Kleber, direkt neben Vadim Glowna. Mit Letzterem haben wir sogar mehrere Dinge gemeinsam: Er hat nicht nur in jeder deutschen Krimiserie schon mal den Mörder oder Mordverdächtigen gespielt (Krimigenre, Gemeinsamkeit #1), er hatte sogar eine Rolle in der Literaturverfilmung eines Buches von Martin Walser (letztes Jahr Preisträger wie wir, Gemeinsamkeit #2): Ein fliehendes Pferd. Das wurde vor kurzem noch einmal von Rainer Kaufmann verfilmt – demselben Regisseur, der unser Buch Erntedank verfilmt hat (Gemeinsamkeit #3). Herr Glowna war sich dieser überaus engen Verbindung wohl nicht bewusst, und falls doch, hat er es sich nicht anmerken lassen. Vielleicht hat er uns auch einfach nicht so gut gesehen in all dem Trubel.<br /> <br /> Dass wir noch eine weitere Gemeinsamkeit haben, stellte sich dann im Laufe der Veranstaltung heraus: Während ein Kirchenmann die Laudatio auf Erzbischof Marx hielt, bimmelte in der glowna’schen Jackentasche das iPhone – hab ich gleich am Klingelton erkannt, weil ich ja auch eins hab. Das war der erste Lacher der ansonsten eher ernsten Veranstaltung mit lauter unwahrscheinlich deprimierenden Büchern über Krankheit, Krieg und Tod und so. Mit zittrigen Fingern hat Herr Glowna es geschafft, sein Telefon zum Schweigen zu bringen, unter scharfer Beobachtung von Herrn Kleber. Der hat sein iPhone offenbar besser im Griff, denn eine halbe Stunde später war ihm wohl ein bisschen langweilig und er zog es raus, um seine Emails zu checken. Mindestens 80 hat er gekriegt – da merkt man einfach, dass er der „sexiest anchorman alive ist“, wie Moderatorin Kathrin Bauerfeind gemeint hat. Ich glaub, das hat dem Herrn Kleber gefallen, denn er hat der Frau Bauerfeind schelmisch mit dem Zeigefinger gedroht, als er rausgekommen ist, und sein perfekter Scheitel hat sich dabei sogar kurz bewegt. Jedenfalls war bei seinen Mails, soweit ich das sehen konnte (nicht, dass ich geguckt hätte), kein Absender dabei, der auch nur annähernd so prominent ist, wie die Auf-dem-roten-Teppich-Fotografierten. Enttäuschend, hätte ich doch mindestens ein paar Nachrichten dieser Art erwartet: <br /> <br /> <i>obama.barrack@sexiest-us-president-alive.com</i>: Dear Claus, you should really come back in the States as correspondant, we need more attraktive people in America.<br /> Oder auch: <br /> <i>tom.buhrow@ganzundgarnichtsexyanchorman.de</i>: Lieber Kollege, ist meine weibliche Fanpost vielleicht bei dir angekommen? Mein Postfach ist leer. <br /> <br /> Aber: Fehlanzeige. Keine Mails dieser Art. Und so endet mein Bericht von der Buchpreisverleihung lediglich mit einer Einsicht (eigentlich zwei, aber die, dass man bei Fernsehveranstaltungen sein Telefon besser ausschaltet, hatte ich vorher schon): <br /> Damit wir auch mal von der Jury die Corine bekommen, muss im nächsten Buch unser Kluftinger am besten an einer unheilbaren Krankheit leiden, im Verlauf derer mindestens ein Körperteil verlieren, seine Beamtenpension den Armen vermachen und auf geheime Mission nach Afghanistan fliegen, um dort politische Gefangene zu befreien. Der Titel könnte dann etwa heißen: <br /> <i>Septembermelancholie. Über die Anwesenheit des Abwesenden und die Sehnsucht danach.</i> <br /> Priml.
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			<pubDate>Wed, 16 Dec 2009 10:03:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>'s Autorenduo</title>
			<link>http://www.kommissar-kluftinger.de/517.0.html?&#38;tx_ttnews%5Btt_news%5D=265&#38;cHash=60abe5ec5726ca3c2632978cecb2f5e8</link>
			<description>Nachtrag des Autorenduos: 
Wir wollten dem Herrn Kommissar da nicht zu nahe treten, deswegen haben...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Nachtrag des Autorenduos: 
Wir wollten dem Herrn Kommissar da nicht zu nahe treten, deswegen haben wir ihm das mit dem Blog gar nicht weiter erklärt, hätte ja eh keinen Sinn gehabt. Wir wollen diese neue Plattform jedenfalls nutzen, um Sie ein bisschen auf dem Laufenden zu halten, was einem als Autorenduo, das viel in Deutschland unterwegs ist, so alles widerfährt – zumal, wenn man vom Land kommt. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein: kuriose Begegnungen bei Lesungen, Auszüge aus unserem Reisetagebuch, Einblicke in unsere aktuellen Arbeitsprozess oder Kleinigkeiten, die uns vor allem dann auffallen, wenn wir Allgäuer uns in die weite Welt hinauswagen.
Und alles garantiert ganz ohne Block.
Beste Grüße,
Volker Klüpfel &amp; Michael Kobr
<address><p class="MsoNormal"><br /><span style="font-size: 12pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;"></span></p></address>]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 05:09:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Kluftis Block</title>
			<link>http://www.kommissar-kluftinger.de/517.0.html?&#38;tx_ttnews%5Btt_news%5D=253&#38;cHash=8e68153463ec3bb57e8e46fa9d6d85c2</link>
			<description>Liebe Leserinnen und Leser, ich bin vom Autorenduo informiert worden, dass die jetzt in dem...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Leserinnen und Leser, ich bin vom Autorenduo informiert worden, dass die jetzt in dem Internet drin einen Block machen wollen. Ich weiß zwar nicht, warum man für das Internet einen Block braucht, weil da hat man doch eine Tastatur, aber meine Segen ham sie jedenfalls. Die machen eh jeden Trend mit; der Langhammer würd sich bestimmt gut mit denen verstehen. Wichtig ist vor allem: Lesen müssen tut's ja keiner.<br /><br />
Herzlichst,<br /> Ihr A.I. Kluftinger]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 03:57:00 +0100</pubDate>
			
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